31. Internationales Festival der Filmhochschulen: Menschen machen Bilder, aber auch umgekehrt

von Barbara Teichelmann

Jede Eintrittskarte, ein Versprechen, Foto: bate

Heute geht in München für eine Woche das Licht aus und das Internationale Festival der Filmhochschulen los. Ein traditionsreiches und wichtiges Festival, so mancher Regisseur hat hier erste Lorbeerblätter gepflückt, bevor er auszog den ganz großen Ruhm zu ernten: Florian Henckel von Donnersmarck zum Beispiel, ebenso Caroline Link, Nick Park oder Lars von Trier. Vielleicht gibt es ja auch dieses Jahr das Erstlingswerk eines Weltstars in spe zu entdecken. Aber eigentlich geht es gar nicht um die Zukunft und den Erfolg, den der eine oder die andere irgendwann haben wird, sondern um die Gegenwart. Es geht darum, zu entdecken welche Themen und Fragen die nächste Generation beschäftigen. Und es geht darum sich überraschen, verführen und treiben zu lassen.

50 Kurzfilme aus 26 Ländern laufen vom 13. bis zum 19. November im Filmmuseum und konkurrieren um Preisgelder von mehr als 40.000 Euro. „Wir zeigen eine Auswahl der besten Filme, die in den vergangenen Monaten an Filmschulen auf der ganzen Welt entstanden sind“, sagt Festivalveranstalterin Diana Iljine, die dieses Jahr ihren Einstand als Chefin der Münchner Filmwochen GmbH gibt. Und schiebt hinterher: „Dieser Jahrgang ist besonders stark und ideenreich.“ In diesem Jahr haben sich 81 Filmschulen beteiligt, elf mehr als im Vorjahr. Insgesamt 280 Einsendungen aus 41 Ländern sichtete die Jury unter der Leitung des Schauspielers und Regisseurs Sebastian Schipper. Deutschland ist mit elf Beiträgen vertreten, der große Rest der Filme kommt aus Argentinien, Israel, Serbien, Australien, China, Polen, Russland oder Venezuela.

Gestern Abend wurde das Nachwuchsfestival mit einer Galavorstellung im neuen Domizil der Hochschule für Fernsehen und Film an der Gabelsbergerstraße offiziell eröffnet. Gezeigt wurden „Stevan M. Zivkovic“, eine schwarze Komödie aus Belgrad, die Animation „Flamingo Pride“ aus Potsdam und „Viki Ficki“, ein Mutter-Tochter-Drama aus München. Ein Mann, der übers Fernsehen für tot erklärt wird, und nun anfängt gegen die Allmacht der Medien zu kämpfen. Ein heterosexueller Flamingo, der sich in eine Störchin verliebt und sich deshalb vor seinen schwulen Flamingofreunden schämt. Ein Mädchen lernt mit dem Beruf der Mutter zurechtzukommen, die als Pornodarstellerin arbeitet.

Absurd, witzig, ernst – das inhaltliche und formale Spektrum der drei Eröffnungsfilme ist groß und steht stellvertretend für die Vielfalt des gesamten Programms. Zusammengefasst in zehn Programmblöcken laufen bis zum Freitag 34 Spielfilme, zehn Dokumentationen und sechs Animationsfilme: Ein Knetfiguren-Pärchen auf der Suche nach Sex und Liebe („Venus“), im Kopf eines russischen Jungen wandert ein kleines Mädchen herum („It only seems to have gone, but actually it may have not“), zwei Männer und eine Frau fliehen aus dem Ceauscescu-Rumänien über die Donau („Silent River“), der Alltag in einem kubanischen Altersheim („If still Alive“), der Alltag in einem kubanischen Altersheim („If still Alive“)…

Ein Weg, die Welt, in der wir leben, zu begreifen, ist, sich Geschichten über die Menschen, die in ihr leben, zu erzählen. Geschichten über das, was man draußen vor der Tür oder drinnen im Kopf erlebt. Bis zum Freitag erzählen uns angehende Regisseure und Regisseurinnen aus aller Welt Geschichten über ihre Welten. Die meisten von ihnen sind auch selbst zu Gast und bei den Vorführungen ihrer Filme anwesend. Wer also Fragen stellen oder Antworten geben möchte, der kann und sollte das  tun.

13. bis 19. November, Programm und Infos unter www.filmschoolfest-munich.de, Tickets gibt es im Filmmuseum täglich ab 11 Uhr, Vorstellungen jeweils um 14:30, 17:00, 19:30 und 22:00

Veröffentlicht am: 14.11.2011

Über den Autor

Barbara Teichelmann

Redakteurin

Barbara Teichelmann ist seit 2011 beim Kulturvollzug.

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