"Auch, wenn Du nur eine Skizze hast, Du erkennst, was es ist": Daniel "San2" Gall ist Sänger und geborener Frontmann

von Clara Fiedler

Der geborene Frontmann: Daniel Gall alias San2. Foto: Thorsten Hönig

"It feels right" heißt der erste Titel auf seiner aktuellen Platte "Rebirth Of Soul and Recycling The Blues". Es fühlt sich richtig gut an. Für den Sänger Daniel Gall alias San2 tut es das hör- und sichtbar. Der studierte Grafikdesigner sieht sich aber weniger nur als Musiker, als als "Entertainer mit Klasse". "Du musst den Leuten das Gefühl geben, dass der Abend etwas besonderes war", sagt er. Es wird ziemlich schnell klar, mit wem man es hier zu tun hat: einem geborenen Frontmann.

Er sang "Sunny" mit Wilson Pickett, nahm von einem James-Brown-Konzert als "Trophäe" dessen Fliege mit nach Hause und beherrschte schon im Kindesalter den Moon Walk.  Sein Interesse verlagerte sich dennoch vom klassische Klavier, zu dem er als Kind genötigt wurde, ziemlich schnell zur Graffitikunst. Aus seiner Sprayerzeit stammt auch der Künstlername "San2". Als Musiker ist der gebürtige Ingolstädter durch und durch Autodidakt. "Geübt in dem Sinn habe ich nie", erzählt er. Was seine Fähigkeiten an der Bluesharp betrifft, hatte er große Vorbilder und eigentlich dann doch eine Menge Ehrgeiz. "Ich komm' da verdammt nah hin", sagt er voller Selbstüberzeugung über die Soli von Junior Wells et cetera, die er tausende Male gehört hat.

Über die Audi-Akademie in seiner Heimatstadt kam er in Kontakt mit Amerikanern, die ihn regelmäßig mir VHS-Kassetten der in der Blues- und Soulszene aktuellen Künstler versorgten. Und dann war da noch dieser Zettel an der Wand der Waschräume einer Ingolstädter Kneipe: "Suchen Sänger für eine Bluesrock-Band". "Da dachte ich: Könnte ich mal machen." - "Ich habe mich schon immer zu einer bestimmten Art von Musik hingezogen gefühlt" ist seine Erklärung dafür, dass die Charlie-Parker-Platten seines Vaters ihn ebenso wenig kümmerten wie das Klavier. Nach dem Abitur zog es ihn nach Amerika. Zunächst einmal als Au Pair. Obwohl ihm von Anfang an klar gewesen war, dass er seine Zeit dort nicht mit Babywickeln verbringen wollte. "Ich hab' festgestellt, das läuft nicht so, wie ich es will." Kurzerhand packte er seine Sachen und ab ging es nach San Francisco.

Er sprang ins kalte Wasser und kam mit lokalen Größen in Kontakt. Oft tingelte er durch die Lokale und fragte einfach, ob er für ein-, zwei Nummern einsteigen dürfe. Die Resonanz war durchwegs positiv. Irgendwann spielte er regelmäßig Mundharmonika in der Hausband eines dieser Lokale und durfte schließlich für drei Stücke als Sänger die Band übernehmen. "Ich hatte drei Nummern, um die Leute zu überzeugen", erzählt er, scheinbar immer noch aufgeregt. Seiner Meinung nach ist das der Grund, warum er sie heute schon nach zwei Takten überzeugt. 2003 kam er nach München, ein befreundeter Schlagzeuger stellte ihm eine Profiband an die Seite, mit der er auch ins Studio ging.

Zweifel scheinen ihm fremd. Er wird nicht müde zu erzählen, schaut in die Welt wie einer, der seinen Platz gefunden hat. Und der ist eher die Bühne als das Studio. Was ihn packt und festhält, ist die Stimmung eines Livekonzerts. Das ergibt sich logischerweise aus der Tatsache, dass er wohl keiner ist, der an einer Sache ewig feilt. Wie er selbst sagt: "Auch, wenn Du nur eine Skizze hast, Du erkennst, was es ist." Wenn man dann mit ein paar exzellenten Zeichnern zusammenarbeitet, ist es einfach die Mischung, die reißt.

San2 And His Soul Patrol: 18. und 19. 10. 11, Nightclub im Bayrischen Hof

 

Veröffentlicht am: 14.10.2011

Über den Autor

Clara Fiedler

Redakteurin

Clara Fiedler ist seit 2011 beim Kulturvollzug.

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