Ein Mozart, der nur langsam in Fahrt kommt - Die Camerata Salzburg zu Gast im Gasteig

von Volker Boser

Man kann darüber streiten, wie sinnvoll es ist, an einem Abend die letzten drei Mozart-Sinfonien hintereinander aufzuführen. In den Konzerten unserer großen Orchester erscheinen sie derzeit allenfalls als Vorprogramm für bombastische Spätromantik.

Wer also wollte es der Camerata Salzburg verübeln, dass sie in der Philharmonie das sinfonische Vermächtnis ihres Hausgottes in den Mittelpunkt stellte – authentischer geht es schließlich kaum, auch wenn die Kollegen aus Wien, London oder Berlin natürlich in einer anderen Liga musizieren.

Es dauerte eine Weile, bis der französische Dirigent Louis Langrée seine Mitstreiter im Griff hatte. KV 543 dümpelte unentschlossen vor sich hin. Weder Struktur noch Klangfarben waren zu orten. Den Streichern fehlte Glanz, den Bläsern Nachdruck.

In KV 550 hätte man sich manches energischer gewünscht. Der erste Satz begann stürmisch, dann trat der Dirigent auf die Bremse. Doch plötzlich platzte der Knoten: Andante, Menuett und Schluss-Allegro gerieten empfindsam, tänzerisch beschwingt, dramatisch. Die Wiederholungen langweilten nicht mehr, sondern besaßen Spannung und Kontur.

Ende gut, alles gut: in der Jupiter-Sinfonie erwies sich Louis Langrée als phantasievoller Gestalter. Er ließ sich von der apollinisch anmutenden Grundhaltung der Musik nicht blenden, sondern entdeckte auch immer wieder die melancholischen Momente, in denen Mozart den C-Dur-Jubel in Frage stellte.

Veröffentlicht am: 10.05.2011

Über den Autor

Volker Boser

Volker Boser ist seit 2010 Mitarbeiter des Kulturvollzug.

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