Surreales Schweben mit "Santa Sangre oder Das Schwert des Damokles" in der Schauburg

von Gabriella Lorenz

Getanzt im klassischen Sinn wird hier nicht. Foto: Plan D

Der Elefant ist tot. Man singt ihm ein Abschiedslied und stellt eine kleine Gips-Figur von ihm auf. Aber wie soll's ohne diese Attraktion weitergehen mit dem Wanderzirkus? Der Direktor schleudert verweifelt seine Messer auf rote Herzen, die Hochseil-Diva zickt, nur der Zauberer sorgt mit dem Besen und unerschütterlicher Gelassenheit für Ordnung. Auf dem schmalen Grat zwischen Lächeln fürs Publikum und Zoff hinter den Kulissen balanciert die Zirkus-Tanz-Vorstellung „Santa Sangre oder Das Schwert des Damokles“ des Choreografen Andreas Denk und seiner niederländischen Kompanie Plan D. Die Schauburg hat schon oft mit Denk zusammengearbeitet und dieses Gastspiel koproduziert.

Getanzt im klassischen Sinn wird hier nicht. Aber der Choreograf und der Regisseur Dirk Groeneveld zeigen zur eingängigen Musik von Wiebe Gotink alle kleinen Backstage-Querelen tänzerisch beschwingt. Ein junges Mädchen kommt neu im Zirkus an, es muss sofort mithelfen und einspringen. In einem komischen Crashkurs lernt Eva Vrieling auf einem Metallrohr das Seiltanzen. „Ras, dwa, tri“ peitscht ihr die verletzte Artistin Monika Haasova das Tempo ein. Der Zirkusdirektor und Messerwerfer Andreas Denk neigt zu cholerischen Ausbrüchen und melancholischen Einbrüchen, der (echte) Magier Woody Woet bringt mit seinen Zaubertricks und seinem Gleichmut immer wieder Ruhe in die Hysterie.

Tänzerische Akrobatik und Situationskomik, Proben-Verzweiflung und Glamour-Auftritt mischen sich in manchmal surrealer Schwebe. Am Ende ist auch der Elefant wieder da - wenigstens in der Fantasie.

 

Schauburg, 6 ., 7. Mai 2011, 19.30 Uhr, Tel. 233 371 55

 

Veröffentlicht am: 06.05.2011

Über den Autor

Gabriella Lorenz

Gabriella Lorenz ist seit 2010 Mitarbeiterin des Kulturvollzug.

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