Gespräch zu Lea Ralfs' "Ludwig II - Eine musikalische Utopie" im Volkstheater

Mit dem Kini im Nirvana

von Gabriella Lorenz

Mara Widmann, Jean-Luc Bubert, Lenja Schultze, Jakob Geßner. Foto: Gabriele Neeb

Was verbindet König Ludwig mit Kurt Cobain? Eine ganze Menge, findet Lea Ralfs. Sie inszeniert im Volkstheater den Liederabend „Ludwig II – Eine musikalische Utopie“. Die Utopie haben sich Ralfs, ihre Co-Regisseurinnen Charlotte Oeken und Marie Jaksch sowie der  musikalische Leiter Michael Gumpinger (32) ausgedacht. Auch der Schauspieler Max Wagner gehöre eigentlich zum Regieteam, sagt Ralfs (26), die nach fünf Jahren Regieassistenz am Deutschen Theater Berlin und in Basel jetzt in Hamburg Regie studiert.

Die Utopie: Der Kini (Jean-Luc Bubert) ist 1886 am Ende, pleite und depressiv. Kaiserin Sissi (Mara Widmann) soll den Bayern-Staat gegen Bismarck retten. Aber dabei kann auch ihre Schwester, Ludwigs Ex-Braut Sophie (Lenja Schultze), nicht helfen. Ludwig feiert lieber sein 22. Thronjubiläum mit einer Wagner-Oper und seinem Geliebten, dem Hausboy Richard Hornig (Jakob Geßner). Da taucht der ominöse Fremde Sam (Max Wagner) auf mit neuen Perspektiven.

Lea Ralfs ist Hamburgerin - Ludwig II. kannte sie vorher nur als Postkarten-Ikone. Um nicht die Ikone zu bebildern, suchte sie einen andern Blick auf den Kini. Sie fragte: Was ist, wenn nichts mehr im Leben funktioniert? Und fand die Parallele zum Popstar Kurt Cobain, der sich vor 20 Jahren erschoss: Er scheiterte und verzweifelte wie Ludwig an den Rollenbildern, die er nicht erfüllen wollte.

Lea Ralfs erklärt: „Mich interessiert es, Zeiten zu vermischen. Cobain schreibt in seinem Abschiedsbrief, er habe so viel Liebe zu geben, könne sie aber niemandem geben, weil er kein Vertrauen mehr habe. So weiß auch Ludwig nicht, wem er noch vertrauen kann: Wer ist Freund, wer ist Feind, wer sucht nur seinen Vorteil? Unser Ludwig ist zunächst angereichert mit Facetten und Songs von Cobain, wird aber immer mehr Ludwig.“

Den Weg von Nirvana zu Wagner muss ohne inhaltlichen roten Faden musikalisch Michael Gumpinger (32) finden. Er verkörpert am Synthesizer die Live-Band auf der Bühne - und wortlos auch Richard Wagner. Gumpinger hat in München Komposition studiert, klassisch wie auch für Film und Fernsehen. Am Volkstheater hat er vor zwei Jahren den Liederabend „Heiße Maroni“ gestaltet und seitdem öfter mitgearbeitet. Er muss das stimmliche und musikalische Potenzial der Schauspieler herauskitzeln –  das war diesmal besonders ergiebig. Gumpinger schwärmt von den Gesangsfähigkeiten der Darsteller und von deren angstfreier Lust, auch Instrumente zu spielen: „Wir haben gefragt, welches Instrument jeder mal als Jugendlicher gespielt hat und welche  Klangfarbe zu jeder Figur passt. Und Lea ist ja auch Musikerin  – sie hat lang im Orchester Horn gespielt -, dadurch hat sie ein sehr gutes Gespür. Das war ein Glücksfall.“

Musikalisch orientiert sich der 80-Minuten-Abend an Pop-Stars, die in den 90ern an ihrer Göße zerbrochen sind. Wie Cobain, Amy Winehouse, Blondie. Auch Elvis aus den 70ern gehört als Vorläufer dazu. So ist das keinesfalls ein Singspiel über König Ludwig - dafür etwas Revue, etwas Show, mit Einblicken ins königliche Privatleben und Sissis Meinungen zur Emanzipation. Und Lea Ralfs verspricht: „Wir nehmen Ludwig sehr ernst und machen uns nicht lustig.“

Volkstheater, Kleine Bühne, wieder am 12., 26., 29. Juni, 15. Juli 2014, 20 Uhr, Telefon 523 46 55

Veröffentlicht am: 12.06.2014

Über den Autor

Gabriella Lorenz

Gabriella Lorenz ist seit 2010 Mitarbeiterin des Kulturvollzug.

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