So plausibel wie selten: Nikolaj Znaider und die Philharmoniker im Gasteig

von Volker Boser

Nikolaj Znaider. Foto: Georg Lange

Einer, der weiß, was er will und das auch erfolgreich vermitteln kann: der 1975 in Dänemark als Sohn polnisch-israelischer Eltern geborene Nikolaj Znaider scheint mittlerweile immer öfter den Geigenbogen mit dem Dirigierstöckchen zu vertauschen. Bei den Philharmonikern sprang er im Gasteig für den erkrankten David Zinman ein. Er führte das Orchester durch die „Symphonie fantastique“ von Berlioz mit erstaunlich präziser Gelassenheit, ohne dass dabei Spannung verloren gegangen wäre.

Beim Mitlesen der Partitur fiel auf, wie genau Znaider musizieren ließ, wie er stets darauf achtete, dass die vielen drei- und vierfachen Piani eingehalten und oberflächliches Getöse vermieden wurde. Als Geiger weiß er natürlich, dass die ersten drei Sätze von den Streichern dominiert werden. Selten hat man das so plausibel nachvollzogen erlebt.

Mozarts Klavierkonzert KV 466 litt darunter, dass der polnische Pianist Piotr Anderszewski anderer Meinung schien als der Dirigent. Selbst im langsamen Satz gab es für den Solisten keinen Grund zu klanglicher Ausdruckstiefe. Er musizierte sachlich, gelegentlich reichlich manieriert. Die von Nikolaj Znaider mit ruhiger Hand geführten Philharmoniker begnügten sich mit mildem Mainstream.

 

Veröffentlicht am: 30.04.2011

Über den Autor

Volker Boser

Volker Boser ist seit 2010 Mitarbeiter des Kulturvollzug.

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