"DaschSalon" mit Flecken: Ein Arienabend im Herkulessaal mit Annette Dasch

von Volker Boser

Nachdem sie 2007 in der Titelpartie von Haydns „Armida“ bei den Salzburger Festspielen einen Überraschungscoup gelandet hatte, schien sicher: eine neuer Star ist geboren, der alsbald dem Sopran-Establishment das Fürchten lehren wird. Mittlerweile ist Annette Dasch gut im Geschäft. Seit 2008 moderiert sie eine eigene Fernsehsendung („Annettes DaschSalon“), singt in New York und kann mit einem Exklusiv-Vertrag einer angesehenen Plattenfirma prunken.

Jetzt gab sie im mäßig besuchten Herkulessaal mit dem Rundfunkorchester einen Arienabend, den sie clever unter das Motto „Die Gretchenfrage“ stellte: Schuberts „Gretchen am Spinnrad“, die beiden Marguerites von Berlioz („La Damnation de Faust“) und Gounod, dazu Verdi-Lieder in der Orchesterbearbeitung von Berio, schließlich Schumanns „Genoveva“ –ein klug gemischtes Programm. Bekanntes neben Raritäten, was sollte da schon schief gehen.

Leider präsentierte sich Annette Dasch nicht in optimaler Form. Die Stimme, klein und wenig attraktiv, kämpfte mit den Schwierigkeiten der zweiten Genoveva-Arie (Schumann). Gounods Marguerite fehlten Leichtigkeit und Virtuosität. Am besten gelangen Verdi und Berlioz.

Die positive Überraschung des Abends war der Dirigent Marc Piollet, derzeit GMD in Wiesbaden. Er animierte das gut aufgelegte Rundfunkorchester in Schuberts „Rosamunde“ zu sensiblen Klangabenteuern und zeigte beim „Faust“-Walzer von Gounod, dass ein Dreivierteltakt aus Paris, wenn er authentisch musiziert wird, nichts mit Wiener Gemütlichkeit zu tun hat.

Veröffentlicht am: 08.04.2011

Über den Autor

Volker Boser

Volker Boser ist seit 2010 Mitarbeiter des Kulturvollzug.

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