Ein tumber Tor im Schwere Reiter - "Heraklits letzte Tage" von Stefan Kastner

von Gabriella Lorenz

Wie kann es den griechischen Naturphilosophen Heraklit aus Ephesos mitten in die Münchner Hansastraße verschlagen? Bei Stefan Kastner geht das ganz einfach: über eine Rutsche. Kastner, Operntenor und Antiken-Liebhaber, schreibt und inszeniert seit 2008 eigene freie Theaterprojekte. Nach „Isar-Athen“ und „Die Bergsteiger“ beendet er jetzt mit „Heraklits letzte Tage“ seine Philosophen-Trilogie im Schwere Reiter.

So unvermittelt, wie der tumbe Tor Heraklit (Philipp Brammer), den drei Parzen-Mütter zum Grübeln auf dem Stein der Väter verdonnert haben, plötzlich auf dem Straßenstrich landet, kommen auch viele dert Gedankensprünge in Kastners Stück.

Philosophie muss man nicht befürchten, eine logische Handlung darf man nicht erwarten. Der Regisseur stürzt seinen Helden aus dem Altertum ins Heute und wirbelt ihn und die Zuschauer durch ein Kaleidoskop absurder Szenen, die von ihren köstlichen bayerischen Typen leben. Drei gelangweilte Bordsteinschwalben reden über Rooibus-Tee, die Zuhälter Jacek (Uli Zentner) und Mirko (Gabriel Raab) machen es sich in einem Porsche Baujahr 1979 bequem, den sie mit Auto-Pudding (das gab's in den 70ern!) unter vollem Körpereinsatz polieren. Eine Passantin (Inge Rassaerts) untersucht fachkundig den Motor. Heraklit hält sich an seinem Kürbis fest („das unentzifferbare göttliche Geschenk“), den ihm Kastner mit Aktenkoffer abkaufen will. Eine VHS-Vertreterin (Gabriele Graf) und ein Model aus Rom (Judith Huber) haben Kurzauftritte, dann sucht das Nuttchen Sandy (Sarah-Lavinia Schmidbauer) seine Zukunft mit dem Gemüsehändler Heraklit. Ihre Freundin Fini hat ihre Kontoauszüge in Koffern dabei und preist ihre Rente: Herrlich bodenständig spielt TV-Star Michaela May das altgediente Flitscherl im Ruhestand. Den Aufbruch ins neue Leben feieren beide dann aber doch mit den Zuhältern und Kartoffelsalat - und von Heraklit bleibt ein Schnitzel. Immerhin was Konkretes.

Hier der Trailer zur Inszenierung:

Veröffentlicht am: 17.03.2011

Über den Autor

Gabriella Lorenz

Gabriella Lorenz ist seit 2010 Mitarbeiterin des Kulturvollzug.

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