Das Gärtnerplatztheater mit "Singin´ In The Rain" im Prinzregententheater

Mit Tennisball-Virtuosität gegen die Erinnerung an einen Film

von Volker Boser

Daniel Prohaska (Don Lockwood) und Ensemble. Foto: Marie Laure Briane

Irgendwann hat wohl jeder den Film gesehen: Wie Gene Kelly in den Pfützen planscht und dazu „Singin´ In The Rain“ trällert, wie der unvergessliche Donald O´Connor mit grotesker Akrobatik sich in eine wild gewordenen Comic-Maus verwandelt („Make ´Em Laugh“) – Regisseur Stanley Donen gelang 1952 eines der schönsten Filmmusicals, dem erst 1983 eine Bühnenfassung folgte, die sich nicht durchsetzen konnte.

Josef E. Köpplingers Inszenierung für das Gärtnerplatztheater, die jetzt im Prinzregententheater Premiere hatte, hält sich ziemlich strikt an den Retro-Look des Filmes. Die Geschichte spielt in den für Hollywood entscheidenden Jahren, als der Tonfilm den Stummfilm ablöst und damit die Karriere von Don Lockwood und seiner Partnerin Lina Lamont ernsthaft in Gefahr gerät. Denn die Dame hat eine nervtötend quäkende Stimme. Sie muss synchronisiert werden. Das führt zu allerlei Missverständnissen, weil sich der Held ausgerechnet in die „Leihstimme“ verliebt. „You Are My Lucky Star“ balzt er. Und hat Erfolg damit.

Köpplinger füllt die Zeit routiniert mit Stepptanz, rasanten Dialogen und Stummfilm-Schnipseln, die wirklich sehr komisch sind und einmal mehr beweisen, dass man sich am Gärtnerplatz mit dem leicht angestaubten Genre von Operette und Musical bestens auskennt. Köpplinger weiß, wie man Pointen setzt, etwa wenn es gilt, ein Mikrophon für den Zuseher unsichtbar, aber in engster Nähe des weiblichen Stars zu verstecken, was jämmerlich scheitert, weil der Produzent über die Verbindungskabel stolpert. Auf die Akteure ist Verlass. Einige von ihnen haben bereits in Klagenfurt dafür gesorgt, dass die Kärntner bei Köpplingers „Singin´ In The Rain“ so richtig aus dem Häuschen waren.

Natürlich stört die Erinnerung an den Film ein wenig. Doch auch wenn Daniel Prohaska als verliebter Don Lockwood mit Gene Kellys tänzerischer Virtuosität nicht konkurrieren kann, gelingt es ihm, mit Schirm und Charme auch Skeptiker zu überzeugen. Peter Lesiak, als Cosmo Brown mit der vielleicht noch undankbareren Aufgabe betreut, gegen den Film-Giganten Donald O´Connor anzutreten, zieht sich mit Tennisball-Virtuosität bravourös aus der Affäre. Als blonde Quietsch-Ente Lina Lamont darf Bettina Mönch auf die Nerven gehen wie der Bohrer beim Zahnarzt. Sie sahnt gnadenlos ab. Nadine Zeintl muss sich als Kathy Selden mit dem Image des braven Hascherls abfinden. Vielleicht ist das der Grund, warum sie nicht in gleicher Weise überzeugt wie zu früheren Gelegenheiten.

Gesungen wird englisch, gesprochen deutsch – Dirigent Jeff Frohner und das Orchester des Gärtnerplatztheaters kennen sich aus mit dem jazzigen Drive der bis auf ein, zwei Songs eher unbedeutenden Musik von Nacio Herb Brown und Arthur Freed. Die Choreographie von Ricarda Regina Ludigkeit wirkt auf Dauer etwas simpel. Das ist aber auch der einzige Wermutstropfen dieser Inszenierung. Einmal mehr demonstrieren Köpplinger und sein Team, dass sie sich zu helfen wissen und es meisterlich verstehen, das Beste zu machen aus der misslichen Situation, das eigene Haus nicht bespielen zu können.

Noch bis Ende Mai 2015; Karten unter Telefon 2185-1960.

Veröffentlicht am: 26.04.2015

Über den Autor

Volker Boser

Volker Boser ist seit 2010 Mitarbeiter des Kulturvollzug.

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