Faltenwurf mit 42: Zur Wiederaufnahme von John Crankos Shakespeare-Ballett "Der Widerspenstigen Zähmung"

von Volker Boser

Mittlerweile hat die Choreographie 42 Jahre auf dem Buckel – und man merkt es. Die Ensembleszenen wirkten matt und konventionell. Dass die Wiederaufnahme von John Crankos Shakespeare-Ballett „Der Widerspenstigen Zähmung“ mit Durchhängern zu kämpfen hatte, die man von früheren Aufführungen nicht in Erinnerung hatte, war dann doch einigermaßen überraschend.

Etwa das Finale: nach dem grandiosen Schluss-Pas de deux von Katharina und Petrucchio muss noch das Happy End der anderen drei Paare abgefeiert werden. Doch die Luft ist raus. Witz und Virtuosität dieser Szenen können mit der hinreißenden Intensität, die den beiden Hauptakteuren abverlangt wird, nicht mithalten.

Immerhin: nach beinahe acht Jahren Abstinenz auf der Bühne des Nationaltheaters ist nun wieder ein Paar zu bestaunen, das in Ausdruck und Allüre nicht nur perfekt zueinander passt, sondern auch eine Menge Präsenz zu bieten hat. Roberta Fernandes (Katharina) kann herrlich störrisch sein, dabei stets wunderbar biegsam in den ihr auferlegten kniffligen Bewegungsabläufen. Geduldig erträgt sie Petrucchios Muskelspiele. Diese werden von Marlon Dino sprunggewaltig, elegant, dabei aber immer mit der erforderlichen Ironie serviert. Eine hinreißende Liaison.

Den übrigen – Ivi Amista (Bianca), Norbert Graf (Gremio), Maxim Chashchegorov (Lucentio), Karen Azatyan (Hortensio) – blieb vorbehalten, für die heile Ballettwelt zu sorgen - brav, effektvoll, aber wenig aufregend. John Crankos Liebe galt eben Katharina und Petrucchio. Und das wird umso offenkundiger, je mehr Falten dieses Ballett aufwirft.

Wieder am 2., 12., 17. und 21.März; Karten unter 2185 1920

Veröffentlicht am: 28.02.2011

Über den Autor

Volker Boser

Volker Boser ist seit 2010 Mitarbeiter des Kulturvollzug.

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