"Die Spaßmacher" im GOP Varieté-Theater

Verklemmt, verknäuelt, virtuos

von Gabriella Lorenz

Jean Pierre Ehrenreich ist Monsieur Chapeau. Foto: GOP Varieté

Der eine kann’s, der andere nicht. Das unterscheidet Akrobaten von Hobby-Sportlern am Trimmrad. Wie man aus scheinbarem Nicht-Können hohe akrobatische Kunst macht, hat der Artist Jon Young zu seinem Stil erkoren. Und wird in der neuen Show „Die Spaßmacher“ im GOP Varieté-Theater damit zum Publikumsliebling. Der junge Kerl in T-Shirt und Jeans tanzt verklemmt, probiert linkisch Macho-Posen aus und nimmt unbeholfen Anlauf zur Vertikalstange. An der er dann erstaunlich gewandt hochklettert und mit sensationellen Verdrehungen immer wieder abstürzt. Unten bleibt er erschöpft liegen, rappelt sich dann wie ein hüftsteifer alter Mann hoch und erklimmt die Stange neu.

Das macht genau den Spaß, den der Showtitel verspricht. Noch ein zweites Highlight präsentiert traditionelle Trapez-Artistik mit so bisher nicht gesehener Komik. Die jungen Frauen des Duos Passe Pieds  befehden sich nämlich heftig – auch mit Worten, wie ein altes Paar.  Und verknäueln sich im Streit auf der Stange an zwei Seilen so, dass man nicht mehr weiß, wem welche Arme und Beine gehören. Das löst sich immer wieder auf in klassische Formationen, ohne jedoch die übliche Trapez-Eleganz zu bedienen. Yolaine Dooms und Eva Schubach können alles – und unterlaufen es mit hinreißender Frechheit. Die machen wirklich Spaß.

Spaß macht auch der verdruckste Zauberkünstler Sebastian Matt mit seinen durchsichtigen Dilettanten-Tricks. Wie er als Swimmingpool-Kellner sein runtergefallenes Hüfthandtuch wieder hochangelt, ohne das Tablett voller Flaschen abzustellen und seine Nacktheit zu entblößen, ist große Klasse.

Stevie Mazoschek und Ulrich Beckers, die Lonely husBand. Foto: GOP Variete

Nicht so spaßig ist der Wortführer des Moderatoren-Duos Lonely HusBand.  Nach dem Pat und Patachon-Prinzip wird der eloquente, selbstverliebte Hauptredner konterkariert von einem Spießertrottel,  der trocken alles auf den Punkt bringt (und ein wunderbarer Pianist ist). Da hätte der Regisseur Knut Gminder viel an der eitel ausufernden Conférence streichen können. Gar nicht ins Spaßkonzept passt der schwülstige Dramatik-Kitsch der slawischen Partner-Akrobaten Irina & Evgeniy. Monsieur Chapeau balanciert halsbrecherisch auf seinen Rolas – aufgetürmten Rollen, und Mustache-Brothers liefern Slapstick-Comedy im Stil der Marx Brothers.

GOP Varieté Theater, bis 29. Juni 2014, Mi – So, Telefon 210288444, www.variete.de

Veröffentlicht am: 04.05.2014

Über den Autor

Gabriella Lorenz

Gabriella Lorenz ist seit 2010 Mitarbeiterin des Kulturvollzug.

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