"Wartungsarbeiten" mit der Express Brass Band im TamS

Warten auf Banjo

von Gabriella Lorenz

Michele Lorenzini, Wolfi Schlick, Neil Vaggers, Teresa Gruber bei musikalischer Zeitwartung. Foto: Hilda Lobinger

Der Express nach New Orleans hält nicht in Niederbreitenbach. Nicht an diesem Abend. So sitzen vier Musiker der Express Brass Band nach einem Gig frustriert im schäbigen Wartesaal und richten sich auf eine unbequeme Nacht ein. Die Zeit, die auf der Bahnhofsuhr unerbittlich fünf vor acht anzeigt, vertreiben sie sich mit „Wartungsarbeiten“. Regisseur Lorenz Seib hat mit vier Mitgliedern der Express Brass Band im TamS einen musikalischen Theaterabend der absurd-verschrobenen Art inszeniert.

Wartungsarbeiten hätte der heruntergekommene Bahnhof dringend nötig: Der scheint nur noch von Geistern bewohnt. Kacheln fallen ab und zu von der Wand, mal reckt sich eine Querflöte aus einer Nische, der Fahrplan im Schaukasten ist plötzlich verschwunden, und die Neonlampen leuchten, wie sie wollen. Aber die schwer bepackten Musiker müssen hier warten. Jeder braucht eine Mütze Schlaf: Tuba-Spieler Wolfi Schlick breitet sein Laken in einer Ecke aus, Posaunistin Teresa Gruber versucht, im Sitzen das Gleichgewicht zu bewahren, der stoische Banjo-Spieler Neil Vaggers schläft einfach im Stehen. Dem Saxofonisten Michele Lorenzini ist die Bank zu hart – er greift zur Mundharmonika, was die anderen weckt. Und wenn sie schon nicht schlafen können, dann machen sie halt Musik – ganz exzellent zwischen Country, Blues und Jazz.

Lorenz Seib hat viele komische und skurrile Details erfunden: Michele mosert italienisch, Neil liest englisch eine Eloge auf ein Restaurant in New Orleans vor (ganz in Grün und Grau dekoriert, wie der Wartesaal), Teresa luchst ihm einen versteckten Schoko-Keks ab und auf einmal zaubert jeder was Essbares hervor, sogar eine Flasche Wein. Und während Wolfi seine Hosen näht, verkündet ein Quiekentchen wie eine Kuckucksuhr einen kommenden Zug. Hektisch raffen alle das verstreute Gepäck zusammen – nur passt die Tuba nicht mehr durch die Tür.

Leider bleiben manche der hübschen Einfälle zu klein und schlecht sichtbar, dem Konzept geht ab und zu die Luft aus. Den Musikern zum Glück nicht: Die sind vier witzige Typen und grooven aufs Schönste drauf los.

TamS-Theater, Haimhauser Straße 13a, bis 12. April 2014, Mi – Sa 20.30 Uhr, Telefon 345 890

Veröffentlicht am: 25.03.2014

Über den Autor

Gabriella Lorenz

Gabriella Lorenz ist seit 2010 Mitarbeiterin des Kulturvollzug.

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