Artistengruppe "Québec 2nd Avenue" im GOP-Varieté-Theater

Volltreffer!

von Gabriella Lorenz

Nimm dies! Vincent Dube, Sébastien Tardif. Foto: Frank Wilde

Eine aufgelassene Kirche als Artistenschule? Das gibt es: In „Québec 2nd Avenue“. Dort haben Künstler vor Jahren eine vom Abriss bedrohte Kirche renoviert und darin die „École de Cirque de Québec“ eingerichtet. Sowas schweißt zusammen: Die hier ausgebildeten Zirkusartisten sind eine Künstlerfamilie. GOP-Chef Werner Buss hat sie entdeckt und beauftragt, für seine deutschen Varieté-Theater eine Show zu entwickeln. Die hatte in München Premiere und bringt einen kanadischen Wind ins Genre, der alles Glamour-Getue herzerfrischend witzig wegpustet. Unterhaltung vom Feinsten – mit tollen Virtuosen.

Dass die zehn Artisten Freunde sind, merkt man in „Québec 2nd Avenue“, das als Hommage den Kirchenraum zur Kulisse hat. Da folgt nicht einfach ein Glanzstück aufs andere. Regisseurin Julie Lavergne - selbst als Luft- und Rad-Akrobatin dabei – und das Ensemble verbinden alles mit kleinen Theaterszenen. Sie bilden Tableaux vivants als Esstisch oder Sofa, mischen sich auch in andere Acts ein. Wobei jeder Act glänzt, oft komisch und überraschend.

Publikumslieblinge sind schnell Julies Mann Vincent und sein Partner Sébastien als Comedy-Duo. Die liefern sich einen umwerfenden Boxkampf, und fechten auch sonst manche Konkurrenz aus. Der kleine Stöpsel Sébastien kuschelt sich gern schwul an oder springt jemandem in die Arme – auch den drei Zuschauern, die zu Tanz- und Jongleurpartnern trainiert werden. Eine köstliche Ballettparodie der beiden zum Schmachtfetzen „Time to Say Goodbye“ erklärt, dass „Ballett“ wohl von „Ball“ kommen muss.

Um den Finger wickelt auch der Sonny Boy Yohann Trepanier die Zuschauer als Zauberer, dessen Zylinder-Kaninchen (Sébastien) erst anhoppeln muss, und der dann auf einem Fahrrad die aberwitzigsten Sachen vollführt, bis zu Schulterstand und Pirouette. Auf nur einem Rad hält sich Raphael Dubé - und steigt drei Mal auf ein immer höheres um. Der Ehering zum Hochzeitsmarsch landet um den Hals des Bräutigams, Norbi Whitney muss jetzt beweisen, dass er mit Ringen ebenso gut jongliert wie mit dem Diabolo.

Die Damen verblüffen mit einem rasenden Springseil sowie an Ringen jeder Art zu Erde, Luft und um den Körper. Alles ist hier außergewöhnliche Sinnenweide.

GOP Varieté-Theater, bis 27. April 2014, Telefon 210 288 444

Veröffentlicht am: 09.03.2014

Über den Autor

Gabriella Lorenz

Gabriella Lorenz ist seit 2010 Mitarbeiterin des Kulturvollzug.

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