Theater Pfütze zeigt "Das Kind der Seehundfrau" in der Schauburg

Verzauberte Mama nimmt uns die Angst vor der Einsamkeit

von Gabriella Lorenz

Das Ensemble des "Theater Pfütze". Foto: Wolfgang Keller

Ein dröhnender Gong und eine anschwellende Brandungswelle ziehen das Publikum mitten hinein in die Arktis. Auf der Bühne steht lediglich ein großer Kubus aus Stahlgestänge, bestückt mit Vibrafon, Xylofon und Trommeln. Die fünf Schauspieler, die auch Musiker sind, tragen Alltagskleidung. Und doch fühlt man sich nach wenigen Sätzen in einer anderen Welt, der eines einsamen Inuit-Fischers. In der Schauburg gastiert das Nürnberger Theater Pfütze mit seinem Stück „Das Kind der Seehundfrau“, das Sophie Kassies nach einem alten Inuit-Märchen schrieb.

Ganz ohne Gletscherdeko oder pittoreske Eskimo-Kostüme schafft die Inszenierung von Christopher Gottwald für Kinder ab 9 Jahren über Poesie, Rhythmus, Musik und Choreografie die Bilder in den Köpfen der Zuschauer.

Seit fast 30 Jahren gibt es das Theater Pfütze, es gehört zur ersten Riege der deutschsprachigen Kindertheater. Hier gibt es keine feste Zuordnung von Figuren und Darstellern: Vater, Mutter und der kleine Oruk werden immer von mindestens zwei Schauspielern verkörpert. Oruks Mutter ist eine verzauberte Seehundfrau. Sie muss nach sieben Jahren ins Meer zurückkehren, sonst stirbt sie. Doch der Vater hält ihr Seehundfell versteckt, damit sie ihn nicht verlässt. Der kleine Sohn, der bisher nur Liebe und Geborgenheit kannte, hört Streit und böse Worte. Er bringt ihr das Fell und muss sich von ihr trennen. Doch die Mutter kann die Welten versöhnen und ihm die Angst vor der Einsamkeit nehmen.

Das dreh- und aufklappbare Stahlgerüst (Andreas Wagner) ist Teil der präzisen Choreografie, die Musik von Martin Zels übersetzt Gefühle in Schlagwerkrhythmen und chorische Lieder, die Sprache ist schnörkellos und doch poetisch. Die strenge Ästhetik verbindet bruchlos die märchenhafte Atmosphäre mit alltäglichen Problemen. Diese preisgekrönte Aufführung verzaubert auch Erwachsene.

Schauburg, Freitag (21.2.14) 10.30 Uhr, Samstag 19.30 Uhr, Telefon 233 371 55

 

Veröffentlicht am: 20.02.2014

Über den Autor

Gabriella Lorenz

Gabriella Lorenz ist seit 2010 Mitarbeiterin des Kulturvollzug.

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