Schattentheater "Fake [to] Pretend" im Rationaltheater

Lust auf noch mehr rauchende Ritter

von Gabriella Lorenz

Die Schatten haben Ausgang. Foto: Ann-Sophie Wanninger

Dinge werfen Schatten. Aber was ist, wenn man nur den Schatten sieht und nicht das Ding? Schattentheater hat in Asien Tradition, in Deutschland wird es als Figuren- und Objekttheater gern als Theater für Kinder abgetan. Vor 200 Jahren versuchte der  Romantiker Achim von Arnim das Genre zu beleben und dichtete 1813 das satirische Märchen „Das Loch: oder Das wiedergefundene Paradies“. Durch das Loch als Lichtquelle, die Schatten zaubert, blickt Regisseur Benno Heisel mit „Artefakt“ auf die Entwicklung von Illusionstechnologien. Die  Münchner Theatergruppe "Fake [to] Pretend" erzählt im Rationaltheater die Geschichte des Schattentheaters. Das Experiment zwischen Wissenschaft und Kunst ist eine spannende, unterhaltsame historische Exkursion.

Sie hangelt sich entlang an Arnims komisch-bizarrem Märchen: Ein dicker Kaiser vernachlässigt vor lauter Regieren seine schöne Frau, die nur allzu gerne durch ein Loch in der Mauer mit ihrem geliebten Ritter entflieht. In einem wunderzart filigranen Segelschiff mit liebevollen Details. Wieviel Aufwand hinter den Figürchen, kleinen Effekten - der Ritter raucht! - und dem Wechsel zwischen den Technologien steckt, kann man nur erahnen. Haupterzählerin ist die entzückende Henriette Schmidt, dazwischen erklären Benno Heisel, Ulrich Eisenhofer und Edoardo Colaiacomo (alle drei haben die Bühne gebaut) die verschiedenen Medien - von Silhouettierung, Laterna magica und Camera obscura über den Diaprojektor bis zum 3-D-Drucker.

Beim Aufbau. Benno Heisel, Henriette Schmidt, Ulrich Eisenhofer

Das Springen zwischen Information und Story ist witzig und anspruchsvoll. Am Ende fragen sie nach der sozialen Wirkung neuer Medien - die Fragen stellte Grabbe Anfang des 19. Jahrhunderts!

Gerade hat Tobias Ginsburg in der Schauburg „Weltenbrand“ inszeniert - eine kluge Historie über Giftgas. Auch er gehört zum Kollektiv Fake [to] Pretend, das Lust macht auf mehr.

Rationaltheater, Hesseloherstraße 15., 17. Januar, 16. - 18.,  24., 25. Februar (je 20 Uhr), Telefon 33 50 03

Veröffentlicht am: 14.01.2014

Über den Autor

Gabriella Lorenz

Gabriella Lorenz ist seit 2010 Mitarbeiterin des Kulturvollzug.

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