Geschwister Pfister mit "Wie wär's, wie wär's" im Volkstheater

Baden in Nostalgie und böser Komik

von Gabriella Lorenz

"Sag mir Quando". Andreja Schneider, Christoph Marti, Tobias Bonn. Foto: Christian Knecht

„Vati, hol schon mal den Wagen“, sagt Mutti, und ab geht's im VW- Käfer ins Sehnsuchtsland der Deutschen. Mit ihrer neuen Schlagerrevue „Wie wär's, wie wär's?“ brechen die Geschwister Pfister in den 50er Jahren in die Toskana auf und landen nach einer Popmusik-Zeitreise Mitte der 70er in Roms heißester Disco. Wer damals jung war, kann sich nur entzückt kringeln über die Schmalz- und Schnulzen-Seligkeit, die Ursli und Toni Pfister, Fräulein Schneider und das Jo Roloff Trio beim Gastspiel im Volkstheater mit heiligem Ernst und unheiliger Ironie zelebrieren.

Vati Toni (Tobias Bonn), Mutti (Andreja Schneider) und der Filius Ursli (Christoph Marti) haben im Gepäck alle deutschen Spießerträume der Wirtschaftswunderjahre vom sonnigen Süden, alle Italienklischees von Amore und Dolce Vita. Und finden für alles das passende Lied. Sie schwelgen in Kitsch, mitreißend begleitet vom fabelhaften Jo Roloff Trio.

Ursli will in Ralph Siegels Ferienhaus Dantes „Commedia divina“ im Original lesen, zieht aber dann mit der Vespa los und bekennt mit Peter Maffay „Und es war Sommer“. Fräulein Schneider lässt sich von Esther Ofarims „Und dazu sang der Sommerwind“ pathetisch geschmerzt am Strand verwehen, während Toni drängt „Sag mir quando“. Ein Showabend in Luigis Trattoria führt parodistisch durch die Pop-Folklore des Mittelmeerraums - von den in Italien damals sehr populären Kessler-Zwillingen (die amüsiert im Publikum saßen) über Spanien bis nach Griechenland. Die Pfisters und Fräulein Schneider werden zu Nana Mouskouri, Vicky Leandros, Karel Gott, Cindy & Bert und Katja Ebstein - mit zeitgerechten Kostümen, Handmikros und witzigen Choreografien von Danny Costello.

Man kann in den Songs baden wie im Meer und kapiert, was man damals oft nicht verstand: Warum diese Schnulzen Hits waren. Eine perfekte Nostalgieshow von böser Komik.

Veröffentlicht am: 08.12.2013

Über den Autor

Gabriella Lorenz

Gabriella Lorenz ist seit 2010 Mitarbeiterin des Kulturvollzug.

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