Fat Freddy's Drop in der Tonhalle

Alles wächst zusammen bis zum Kontrollverlust

von Salvan Joachim

Ausverkauft: die Münchner Tonhalle beim Fat Freddy's Drop Konzert (Foto: Simon Winzinger)

Auf der Bühne sind den Neuseeländern ihre Platten-Arrangements egal: Sie verändern, vertauschen, verbinden ihre Melodien immer wieder aufs Neue. Dazu gibt es mehr Sprechgesang und über allem das Prinzip Groove. Zwei Stunden lassen sich Fat Freddy's Drop treiben, und sie treiben an. Es war die wohl tanzbarste Jamsession des Herbsts.

Gut zwei Jahre nach dem Spektakel in der Muffathalle: Fat Freddy's Drop sind endlich zurück. Ein Pflichttermin für alle Kenner der Dubreggaeelektronica-Combo. Diesmal reicht die Kapazität der Muffathalle nicht aus, das Konzert musste in die Tonhalle verlegt werden. Es hat sich herumgesprochen, dass die Neuseeländer eine beeindruckende Liveshow bieten, dank der perfekten Abstimmung zwischen Bass, Bläsern und diesen Gesangsparts von Ganzweitweg.

Mancher mag daran gezweifelt haben, dass es heuer ein so gutes Konzert wird wie damals. Denn diesen Sommer erschien das neue Album Blackbird. Keine Frage: Das ist auch nicht schlecht, das tut nicht weh, das läuft halt so nebenbei, während man am Isarstrand liegt oder die Steuererklärung schreibt. Ein richtiger Hit für den Sommer wie "Wandering Eye" oder "Shiverman" von den vorherigen Alben fehlt aber. Und richtig stimmig wirkt das Album auch nicht: Auf die opulente Ouvertüre "Blackbird" folgt die sehr poppige, untypische Nummer "Clean the House". Danach vermisst man die Inspiration. "Soldier" dudelt etwas vor sich hin und "Never moving" wirkt einfältig elektronisch.

Alles ist vergessen nach den ersten Minuten in der Tonhalle. Live fügt die Band zusammen, was auf Platte unverbunden hintereinander gepresst wurde. Auch hier der Start mit "Blackbird", pumpende Bässe zur Improvisation auf der Melodika. Erfrischend zum Reinkommen. Also langsam einschwingen und abheben für die nächsten zwei Stunden. Die Bläser tönen anfangs noch etwas schrill. Später passt der Sound.

Es geht alles ein bisschen langsamer dieses Mal, es dauert bis der Trompeter die Krawatte lockert. Das Publikum wippt. Erst beim alten Song "Cay's Crays" dann Anzeichen von Kontrollverlust im Publikum. Der Beat immer auf den Punkt, die Melodie verhallt, ein Gitarrensolo zum Niederknien. Der Posaunist tanzt nur noch in Hemd und Unterhose auf der Bühne, und die ersten Besucher springen in die Luft: "Fire, Fire".

Schließlich nimmt die Band den Schwung raus. Will sie Platz schaffen für die doch etwas elektronischere, vielleicht kann man sagen "housigere" Ausrichtung? Also doch: Ein bisschen verändert die neue Platte auch das Konzert. Warum auch nicht? Live bleiben die Schwächen der Platte aus. Den Endlos-"Shiverman" gibt's auch noch.

Veröffentlicht am: 24.10.2013

Über den Autor

Salvan Joachim

Redakteur

Salvan Joachim (1986) ist seit 2011 beim Kulturvollzug.

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