Lambert Hamel über Tina Laniks "Hotel Capri" im Cuvilliéstheater

"Es geht darum, was Sehnsucht bedeutet"

von Gabriella Lorenz

Hotel Vergangenheit mit Lambert Hamel (links). Foto: Thomas Dashuber

Zwei Jahre hat man ihn in München vermisst. Aber schon vor dem  Resi-Abschied von Dieter Dorn, zu dessen Ensemble er seit 1974 gehörte, wusste Lambert Hamel, dass er auch unter Dorns Nachfolger Martin Kusej am Resi arbeiten würde. Jetzt ist das passende Stück da. In  „Hotel Capri“ von Thomas Jonigk spielt Hamel den alternden Werner von Späth, der in einem schäbigen Pensionszimmer seinen Jugendgeliebten wiedersehen will.

Jonigk hat sein Auftragswerk durchaus mit Blick auf die beiden Hauptdarsteller Lambert Hamel und Juliane Köhler geschrieben. Tina Lanik inszenierte die Uraufführung im Cuvilliéstheater.

Das Hotel Capri ist völlig heruntergekommen. Hier in Zimmer 11 hat sich Werner von Späth als Jugendlicher mit seiner großen Liebe Franz getroffen. Den hat er hierher bestellt. Aber seltsamerweise scheint der Erinnerungsraum schon bewohnt von der auch nicht mehr ganz jungen Christine. Die macht keine Anstalten, das Zimmer zu räumen, breitet aber in unaufhörlichem Redeschwall ihre Lebens- und Liebesenttäuschungen aus. Dazu geistern  - nur für Werner sichtbar - zwei Halbwüchsige herum, offenbar Werner und Franz von damals. Und das immer unerwartet auftauchende Hotelpersonal verhält sich auch nicht so wie üblich. Ist das alles ein Traum?

„Auch nur als Traum wär's als Handlung wahrhaftig“, sagt Lambert Hamel. „Vielleicht sind es Halluzinationen oder Werners Projektionen, Visionen und Vorstellungen vom Wiedersehen nach 50 Jahren. Es geht nicht nur um Homosexualität, sondern um eine große, damals unerfüllte Liebe. Und darum, was Sehnsucht bedeutet.“

Die ungebetene Zimmergenossin Christine wittert in Werner wohl einen Schicksalsgefährten. „Christine hat dieselbe Sehnsucht nach Liebe“, erklärt Hamel, „daraus entsteht so etwas wie eine zarte Beziehung.“

Auch die letzten vier Inszenierungen, die Hamel vor 2011 in München spielte, waren alle von Tina Lanik. „Ich arbeite gern mit ihr“, sagt Hamel. „Das ist eine Vertrauenssache. Sie kann wunderbar zuhören.“ Ähnliches Vertrauen hat er zur Regisseurin Barbara Frey in Zürich, wo Hamel in den letzten beiden Jahren spielte. In „ Maria Stuart“, in „Platonow“, und  Lukas Bärfuss schrieb ihm in „Die schwarze Halle“ sogar eine Rolle auf den Leib. Ab April wird er in Zürich  als Dottore im „Diener zweier Herren“ zu sehen sein. Fest in ein Ensemble will er nicht mehr - er kennt die Abhängigkeit vom Spielplan-Diktat zu gut: „Jetzt möchte ich frei mein Leben verbringen. Ich will planen können, wo ich Weihnachten verbringe. Und wenn ich wegfahre, bin ich weg. Ich spiele dort, wo mich jemand ruft, wenn ich Lust dazu habe.“

Vor den Proben in Zürich dreht er noch. Hamel war viel mehr im Fernsehen präsent als im Kino. Gern erinnert er sich an die Arbeit mit Franz Xaver Bogner für „München 7“. „Bogner ist wunderbar. Da würd' ich gern mehr spielen. Und da bedauere ich manchmal, dass ich kein Bayer bin und nicht Bairisch kann“, sagt der gebürtige Pfälzer. „Ich kann es natürlich auf der Bühne sprechen und von Köln aufwärts bis Hamburg lobt mich jeder dafür. Aber hier in München würde ich nie mit meinem Theater-Bairisch spielen. Bogner hat netterweise die Rolle für mich übersetzt.“

Im Cuvilliéstheater hat Hamel zwar nicht seine Resi-Garderobe mit dem Kortner-Sessel darin, aber auch hier betreut ihn wie schon seit über zehn Jahren seine Lieblingsgarderoberin Cornelia. Die würde ihn sofort anrufen, wenn er nicht pünktlich zwei Stunden vor der Vorstellung da wäre. Denn diese Zeit braucht er zur Konzentration. Seine 73 Jahre merkt man ihm nicht an. Dazu meint er nur: „Wichtig ist die Gesundheit. Alles andere mach' ich allein.“

Im November feiert Hamel sein 50. Bühnenjubiläum. Sein Debüt gab er 1963 unter Kortner als Sohn in „Der eingebildete Kranke“ - neben großen Kollegen wie Curt Bois, Ella Büchi, Hermann Schomberg und Carla Hagen. Am Festtag möchte er am liebsten auf der Bühne stehen - wie bei seinem 70. Geburtstag. Das wäre für ihn die schönste Feier.

Cuvilliéstheater, wieder am 26.9. und am 4.10.2013, Telefon 2185 1940

Veröffentlicht am: 24.09.2013

Über den Autor

Gabriella Lorenz

Gabriella Lorenz ist seit 2010 Mitarbeiterin des Kulturvollzug.

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