„The King's Speech“ in der Komödie im Bayerischen Hof

Das ist doch wirklich mal der Rede wert

von Gabriella Lorenz

Steffen Wink und Götz Otto. Foto: Rüdiger Neumann

Der alte Grieche Demosthenes soll sich seine Sprachstörung mit Kieselsteinen im Mund abtrainiert haben. Der Herzog von York und spätere englische König George VI. fand 1925  einen Sprechtherapeuten, der aus dem Stotterer Albert einen passablen Redner machte und lebenslang sein Coach blieb. Nach dem oscargekrönten Welterfolg des Films „The King's Speech“ 2011 drängt jetzt auch das ursprüngliche Theaterstück des Drehbuchautors David Seidler auf die Bühnen. In der Komödie im Bayerischen Hof inszeniert Regisseur Helmuth Fuschl, Götz Otto meistert die Herausforderung des Handicaps überzeugend.

Thomas Peknys abstrakte Schwarz-Weiß-Bühne erlaubt keinen Pomp, und Fuschls Regie konzentriert sich auf die Freundschaft zweier ungleicher Männer. Zu Lasten der Nebenfiguren - die bleiben fast alle blasse Chargen. Da fällt auch der mit Spannung erwartete Auftritt des „Focus“-Herausgebers Helmut Markwort nicht weiter auf: Der Laie erledigt seine Aufgabe als Churchill mit Spazierstock und Zigarre neben dem plakativen Christian Claaszen als Bischof  äußerst achtbar. Und wenn Markwort/Churchill auf die Frage, ob er Zeitungen lese, antwortet: „Nur die vulgären“, ist ein Lacher sicher.

Genoveva Meyer als Prinzen-Gattin taut aus steifer Kühle erst auf, als sie bei einer Atemübung komisch auf dem Brustkorb ihres Mannes sitzt. Mona Perfler liefert dem verkrachten Schauspieler Lionel Logue eheliche Erdung. An den Nerven sägt mit schrillem Dauergelächter Herbert Schäfer: Er kreischt Alberts Bruder Dave, dem seine Geliebte Wallis Simpson mehr gilt als die Königswürde, einfach zum verantwortungslosen Spaßidioten nieder.

Seinen royalen Patienten nennt Logopäde Lionel frech Bertie, um dessen Verkrampfung zu lockern. Steffen Wink findet nach vielen pseudo-lässigen Posen erst später echte Töne. Doch wie Götz Otto als verklemmter Albert allmählich dank Lionel Mut und Vertrauen in die eigenen Fähigkeiten fasst und am Ende fehlerfrei eine große, bewegende  Radio-Rede hält, das ist wirklich sehenswert.

Komödie im Bayerischen Hof, bis 2. November 2013, Mo - Sa 20 Uhr, So 18 Uhr, Telefon 29 28 10

Veröffentlicht am: 23.09.2013

Über den Autor

Gabriella Lorenz

Gabriella Lorenz ist seit 2010 Mitarbeiterin des Kulturvollzug.

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