Interview mit Anita Kupsch zu „Die Perle Anna“

"Ich will mit dem Publikum spielen"

von Gabriella Lorenz

Anita Kupsch in "Die Perle Anna" (Foto: Thomas Grünholz)

Ist die Katze aus dem Haus, tanzen die Mäuse auf dem Tisch: Als die Herrschaft Kurzurlaub macht, widmet sich „Die Perle Anna“ der Hausbar. Bis die Eheleute - jeder für sich mit einem fremden Partner - unerwartet zurückkommen in die vermeintlich sturmfreie Bude. Marc Camolettis Lustspiel gibt der schlauen Haushälterin alle Hände voll zu tun, um den Zusammenprall der Seitenspringer zu vermeiden. Eine Paraderolle für die Berliner Volksschauspielerin Anita Kupsch, die damit in der Komödie im Bayerischen Hof ihren Mutterwitz beweist.

Frau Kupsch, in München hat vor 20 Jahren Erni Singerl als bayerische Schlitzohr-Perle abgesahnt. Die Rolle ist für eine improvisationsfreudige Protagonistin geschrieben. Wieviel Rampensau muss man sein, um als Volksschauspielerin Erfolg zu haben?

Anita Kupsch: Inge Meysel hat gesagt: Man muss es sein, sonst schafft man es nicht über die Rampe. Mir macht es Spaß, das Publikum einzubeziehen, ich kann das gut.

Wie haben Sie Ihr komisches Talent entdeckt? Jede Jung-Schauspielerin will doch Gretchen, Ophelia oder Julia spielen.

Das wollte ich nie. Ich wollte nie die Liebhaberin sein. Da hatte ich Hemmungen. Küssen auf der Bühne - ebenso im Film - finde ich furchtbar. Ich will auch im Theater keine Nackten sehen, das ist meistens unästhetisch. Im Boulevard hatte ich nie Hemmungen.

Sie haben in Berlin bei Else Bongers studiert, bei der auch Götz George gelernt hat.

George mag ich: Der spricht genauso schnell wie ich, hat die gleiche Chuzpe und ist völlig unsentimental. Ich kann sentimentale Scheiße nicht ausstehen. Aus dem Bauch zu spielen, hab' ich von O.E. Hasse gelernt. Der nannte mich immer „Krawutschke“: „Weil Du so polnisch aussiehst.“  Mit 20 drehte ich mit Helmut Käutner, der ein Freund wurde - auch da hab' ich viel gelernt.

Am Berliner Renaissance- und Hebbel-Theater spielten Sie anfangs auch Avantgarde-Stücke von Guitry und Audiberti sowie Shakespeare-Komödien.

Aber alte Rollen und Komikerin, das war meine Nische. Ich bin da ganz schnell reingerutscht, und immer mehr dahinter gekommen, dass ich mit dem Publikum spielen will.

Auch nach einer Brustkrebs-Operation vor drei Jahren ist  Ihre Arbeitslust ungebremst.

Ich habe drei Tage nach der OP wieder gespielt - mit Brust-Verbänden. Man muss hoffen, dass man's übersteht und darf nicht drüber nachdenken. Jetzt bin ich 73 und ausgebucht bis Ende 2015. Ich spiele gern, das ist mein Leben. Wenn der doofe Lappen hochgeht, bin ich da.

In München steht Ihr Schwiegersohn Christoph Schobesberger mit Ihnen auf der Bühne.

Ich spiele mit einem Familienmitglied wie mit jedem anderen. Ich hab' auch schon mit meiner 20-jährigen Enkelin Lea gespielt. Die studiert Theater. Mir wär's lieber, sie würde nicht Schauspielerin. Die Zeit dieses Berufs ist vorbei. Heute kann man mit Theater keine Familie mehr ernähren.

Schauspieler verdienen heute ihr Geld im Fernsehen. Sie sind auch 1986 durch die TV-Serie „Praxis Bülowbogen“ populär geworden, als Arzthelferin Gabi Köhler, die in ihren Chef Günter Pfitzmann verliebt war.

Aber wer vom Fernsehen kommt, kann nicht einfach ins Theater springen, das funktioniert nicht. Umgekehrt schon, weil man das Handwerk gelernt hat. Und heute gibt's auch im Fernsehen weniger Geld. Junge Leute sehen eh nicht mehr fern, sondern nur noch Youtube.

 

Komödie im Bayerischen Hof, Premiere 31. Juli, 20 Uhr, bis 14. Sept., Promenadeplatz 6 in 80333 München, Telefon 29 16 16 33

Veröffentlicht am: 31.07.2013

Über den Autor

Gabriella Lorenz

Gabriella Lorenz ist seit 2010 Mitarbeiterin des Kulturvollzug.

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