Kindertheater "Ente, Tod und Tulpe" im Marstall

Großes Missverständnis mit Schwimmflossen

von Gabriella Lorenz

Katharina Pichler als Ente. Foto: Thomas Dashuber

„Warum muss man eigentlich sterben?“ - „Weil man lebt.“ Schöner, einfacher und plausibler lässt sich die existenzielle Frage nicht beantworten. Wie der Tod zum Leben gehört, darüber schrieb Wolf Erlbruch 2007 das berührende Kinderbuch „Ente, Tod und Tulpe“, das seitdem in dramatisierter Form auch zum Kanon des Theaters für Kinder ab 6 zählt. Im Marstall inszenierte es Manfred Riedel, der am Resi 2010 debütierte mit „Der Mann der die Welt aß“. Aber der junge Regisseur hat sich bisher offenbar kaum mit der neueren Ästhetik des Kindertheaters beschäftigt.

Sonst überließe er seine Enten-Darstellerin Katharina Pichler nicht so hemmungslos der übertriebenen Theaterei. Schon das Kostüm verdonnert sie zum Chargieren: Mit Schwimmflossen unter dem riesigen Bürzel aus Tüll-Volants watschelt sie grotesk herum, spielt jede Aktion und Reaktion laut und wild grimassierend aus, immer auf komische Wirkung bedacht. Gegenpol dazu ist Juliane Köhler als androgyner  Tod  im streng-eleganten hellen Frack (Kostüme: Katja Kirn). Dieser Tod ist ruhig, zärtlich, verständnis- und liebevoll. Er lernt sogar von der Ente das Schwimmen und wärmt sie als Löffelchen im Schlaf.

Stilistisch unentschieden ist auch Bärbel Kobers Bühne: Zwischen einem Stahlrohrgerüst als Baum und einer kitschig gemalten zweidimensionalen Bilderbuchkulisse plätschert der Ententeich, in dem heftig geplantscht und gespritzt wird.

Die knappen Dialoge von Erlbruch sind so stark, dass sie den Enten-Exhibitionismus immer wieder zügeln. Aber eigentlich ist Riedels Inszenierung ein großes Missverständnis in Sachen Kindertheater. Wie's anders geht, hatte die hervorragende Reihe Kinder-Buch-Theater unter Dieter Dorns Resi-Ägide bewiesen.

 

Marstall, wieder am 26. Juni, 1., 8. Juli 2013, 10 Uhr, 14. Juli 2013, 11 Uhr, Telefon 2185 1940

Veröffentlicht am: 25.06.2013

Über den Autor

Gabriella Lorenz

Gabriella Lorenz ist seit 2010 Mitarbeiterin des Kulturvollzug.

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