So ging es beim Radikal-Jung-Festival weiter

Und zwischendrin mal ein völlig verschwurbelter Schwachsinn

von Gabriella Lorenz

"Ich bedanke mich für alles." Da nich für, Mann! Foto: Joachim Dette

Es muss wohl bei jedem Festival so eine Aufführung geben, nach der man nur noch in entsetztes Gelächter ausbricht und sich fragt, welcher Provokationsteufel die Jury hier geritten hat. Bei „Radikal jung“ war das Samuel Hofs Inszenierung „Ich bedanke mich für alles“, eine Koproduktion von O-Team und Theaterhaus Jena. Beide leitet Jonas Zipf, der unlängst zum Kurator des Münchner Rodeo-Festivals 2014 berufen wurde. So lernt man seinen Geschmack kennen.

Hinter dem indischen Autorennamen Prem Kavi steckt der vorgebliche Übersetzer Alexej Schipenko, ein dem Theaterhaus Jena verbundener Russe. Science-Fiction und pfundweise Bibelzitate wollen was über Apokalypse und Erlösung erzählen, zwei in Computer-Floskeln redende Aliens stochern in einer düsteren Turnhalle zwischen 40 Leichensäcken herum. Aus denen schälen sich zwei Tote oder Untote, macht keinen Unterschied, denn trotz Weltuntergang gibt's im Jenseits draußen noch Fast-Food-Hendl. Ein Basketball soll den Spuk beenden können - den hätte  mancher Zuschauer gern geworfen. Eine Regiehandschrift war in diesem völlig verschwurbelten Schwachsinn nicht auszumachen, falls man nicht eine Plastikplane vor der Rampe, Stirnlampen  und goldene Slips dafür halten will. Wir bedanken uns dafür.

Ernsthaft danken muss man dem Festivalleiter und Juror Kilian Engels für die beiden Gastspiele   aus Israel. „Mein Jerusalem“ war eine irritierend sperrige Reflexion über die Mauer in den Köpfen in den geteilten Städten Berlin und Jerusalem. Das Solo „Shall We Dance“ reflektiert darüber, wie Militär-Dressur selbst zivile Bereich wie Volkstanz durchdringt. Der Tanzlehrer Aithan Harrari holt mit viel Charme, aber unsanftem Nachdruck Zuschauer zum Mitmachen auf die Bühne. Das große Fest evoziert Erinnerungen an die Armee-Zeit: Da musste er mit dem Gewehr drei gefangene Palästinenser zum Tanzen bringen. Und wurde durch Kleinkrieg in der Soldatenstube selbst zum Mörder. Der virtuose Darsteller Yoav Bartel und seine Frau, die Regisseurin Abigail Rubin, schaffen eine beeindruckende Gratwanderung zwischen den Entertainment-Mechanismen und der Zerstörung einer Person durch den in den Köpfen allgegenwärtigen Krieg.

 

Volkstheater, bis 26. April 2013, Tel. 523 46 55, www.muenchner-volkstheater.de

Veröffentlicht am: 26.04.2013

Über den Autor

Gabriella Lorenz

Gabriella Lorenz ist seit 2010 Mitarbeiterin des Kulturvollzug.

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