Cornelie Müllers "Schwanenflug" im TamS

Damen treffen Figurinen - rätselhaft, poetisch und wunderschön

von Gabriella Lorenz

Drei Damen rätseln über Figuren in Schwabing (Foto: TamS/Hilda Lobinger)

Einst lebte ich als Schwan“, erzählt eine Darstellerin. Dieser Schwan endete schwarz verbrannt auf einer Speiseplatte. In ihrem neuen Stück „Schwanenflug“ stellt die Musik-Theater-Frau  Cornelie  Müller (Text und Inszenierung) drei Künstlerinnen auf die Bühne des TamS, die den Schwanenflug wagten und ohne Rücksicht auf Konventionen  lebten und arbeiteten. Wer sie sind, verrät die Aufführung nicht, auch nicht, warum sie so wunderliche Dinge treiben. Doch entstand daraus ein schwebeleichtes, musikalisches Theatergedicht besonderer Art. Ganz vage, ohne jeden biografischen Hinweis, lehnen sich die Figuren an Vorbilder an. Rose Bihler Shah orientiert sich als stolze Matrone in üppigen Volants  (Kostüme: Claudia Karpfinger) an der Schauspielerin und Dramatikerin Charlotte Birch-Pfeiffer,  deren Rührstücke von 1830 bis 1870 die deutschen Bühnen beherrschten. Bei Ines Honsel mit  Baskenmütze zum Tüllrock stand die Dichterin Else Lasker-Schüler Patin. Alexa Riechert in Hosen mit Chiffon-Hängerchen schlägt das Spinett und schlängelt einmal als Tanzpantomimin Valeska Gert lebhaft Körper und Arme. Das Trio begegnet sieben lebensgroßen Figurinen, die an Seilen hängen. Zu eleganten Kleidern tragen sie Tierköpfe: Kühe, Schweine, Ziege, Gans. Sie stehen einfach für  verschiedene Frauen-Typen, nur die spanische Tänzerin mit dem Pferdekopf  wird durch Anspielungen auf die Vita als Lola Montez geoutet. Diese schönen, skurrilen  Figurinen schuf Rudolf Bodmeier. Er lebt seit seiner Kindheit in Heimen und  arbeitet nun im Atelier des Heilpädagogischen Centrums Augustinum, das geistig behinderte Künstler fördert. Was die Sprache an Begriffen für Weibs-Bilder kennt, hauen sich die Schauspielerinnen um die Ohren: tapfere Mutter, Madonna, Lolita, Hexe, Schlampe und viele mehr. Sonst  verhalten sie sich gar seltsam. Sie schlitzen Papier, legen alte Platten auf, tanzen mit den Figurinen, bürsten ihre Haare, spulen ein Seil auf und ab, immer hin und her. Sie singen, Volksliedhaftes oder wortlose Variationen - alles von subtiler  Komik. Und dann hängen sie Rosen an eine Wäscheleine. Das ist alles sehr rätselhaft, genauso wie die poetischen  und absurden Texte, aber wunderschön.

TamS-Theater, bis 23. Feb.2013, Mi - Sa 20.30 Uhr, Tel. 345 890

Veröffentlicht am: 06.02.2013

Über den Autor

Gabriella Lorenz

Gabriella Lorenz ist seit 2010 Mitarbeiterin des Kulturvollzug.

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