Joseph Calleja in der Philharmonie

Braves Gedenken an die Sternschnuppe Mario Lanza

von Volker Boser

Auf Werbetour: Joseph Calleja. Foto: Simon Fowler/Decca

Eine Mogelpackung?  Bis zur Pause hatte Joseph Calleja, bekennender Mario-Lanza-Fan aus Malta, in der Münchner Philharmonie gerade einmal zwei Lieder aus seiner neuesten CD zum Besten gegeben. Sie hat den Titel „Be My Love“ und ist dem legendären US-Tenor gewidmet.

Calleja weint ihm,  wie im Übrigen auch sein Kollege Placido Domingo, noch immer eine Träne nach.  „The Great Caruso“ hieß der Film, der den stämmigen Italo-Amerikaner einst über Nacht berühmt machte, Anfang der 1950er Jahre fraglos eine der ganz großen Gesangsbegabungen. Leider konnte er die in ihn gesetzten Hoffnungen nicht erfüllen. Mit 38 Jahren starb er, alkohol- und tablettensüchtig. Offizielle Todesursache: Herzinfarkt.

Weil sich Joseph Calleja in diese Sternschnuppe am Sängerhimmel vernarrt hat, erwarteten einige Besucher offenbar, dass er auch live jene Lanza-Hits zum Besten geben würde, die damals die Fans in die Knie gezwungen hatten. Doch Calleja sträubte sich.

In der Staatsoper feiert er derzeit Triumphe als Herzog in Verdis „Rigoletto“. Kein Wunder also, dass er auch im Gasteig „La donna è mobile“ auspackte, eher aggressiv als einschmeichelnd. In der Schluss-Sequenz gab es einen kleineren Patzer, aus dem sich Erschöpfung schließen ließ. Die Zugaben fielen denn auch spärlich aus: Zunächst Tostis „A vuchella“, dann der unvermeidliche Lanza-Kitsch „Be My Love“, schließlich „E lucevan le stelle“ aus Puccinis „Tosca“. Diese Arie hatte er schon vor der Pause gesungen.  Ob „Granada“ oder „Arrivederci Roma“, ob „La Danza“ oder „Nessun dorma“ aus Puccinis „Turandot“ – diese Schmankerl blieben der CD vorbehalten. Man konnte sie im Foyer kaufen.

Abende dieser Art sind Geschmacksache. Ein Sänger von der gradlinigen Ernsthaftigkeit eines Joseph Calleja glänzt vor allem auf der Opernbühne. Der Vergleich mag unfair sein, aber es gab durchaus Tenöre, die in die ersten Takte von Ponchiellis „Cielo e mar“ soviel Zärtlichkeit und Wärme legten, als ginge es emotional um Tod oder Leben.  Opern-Oldies werden sich daran erinnert haben, welche Ausdrucks-Finessen hier einst Carlo Bergonzi hervorzaubern konnte.  Joseph Calleja blieb neutral, vertraute seinen außerordentlichen stimmlichen Mitteln, die ihm nahezu unfehlbare Spitzentöne ermöglichen. Davon kann so mancher Kollege nur träumen.

Für die Zwischenspiele sorgte das Symphonieorchester aus Navarra unter Frédéric Chaslin, immerhin der älteste, wenn auch nicht der beste Klangkörper Spaniens. Raritäten wie Lalos Ouvertüre zu „Le Roi d´Ys“ überraschten ebenso wie das allseits bekannte Torero-Lied aus Bizets „Carmen“. Weil kein Bariton zur Stelle war, übernahm eine Trompete dessen Macho-Auftritt. Das klang zwar sehr komisch, passte  aber irgendwie zu diesem Abend, der vor allem dazu dienen sollte, den Verkauf einer CD anzukurbeln. Sie ist zwar nicht außergewöhnlich, aber recht unterhaltsam. Doch Vorsicht: Von Tito Schipa über den jungen Giuseppe di Stefano bis zu Franco Corelli und Luciano Pavarotti ist die Konkurrenz groß. Und auch Mario Lanza hört sich im Original typischer an als das, was Joseph Calleja engagiert, mutig, aber doch sehr brav in die Wagschale zu werfen hat.

CD "Joseph Calleja: Be My Love, A tribute to Mario Lanza" (Decca)

Veröffentlicht am: 28.01.2013

Über den Autor

Volker Boser

Volker Boser ist seit 2010 Mitarbeiter des Kulturvollzug.

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anonym
29.01.2013 10:41 Uhr

Dieser Joseph Calleja ist einer sehr mittelmäßiger Sänger, sehr langweilig! Leider macht Opera keine Gefallen!

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