Teil 3 von "Prinz Eisenherz" in der Schauburg

Episch und poetisch auf Sinnsuche

von Gabriella Lorenz

Prinz Eisenherz (Markus Campana) sucht ... (Foto: DigiPott)

Willkommen in den 1968ern: Da kommt Prinz Eisenherz - jedenfalls mental - an im dritten Teil der Abenteuer-Saga, die Peer Boysen nach der Comic-Serie von Hal Foster in der Schauburg seit zwei Jahren schreibt und inszeniert. Was Eisenherz nun nach Kindheits-Traumata und ersten Liebes-Verletzungen umtreibt, ist „Die Suche nach dem Gral“. Und die meint die Suche nach dem Sinn des Daseins.

Wir sind anno 1198 auf Tribünen rechts und links eines Laufstegs Zuhörer im britischen Parlament. Die Ritter der Tafelrunde fläzen weißperückt herum, der affengesichtige Präsident baggert seine Sekretärin an, die ihn als Puppe führt. Wir singen alle „Rule, Britannia“, König Artus (Thorsten Krohn) im Schotten-Karo parliert  geschmeidig über Demokratie, Gleichheit, Freiheit. Bis ihm Eisenherz (Markus Campana) wütend in die Parade fährt: Kämpfen will er. „Du bist alt geworden. Du verstehst die Jugend heute nicht mehr“, schreit er.  Nach dem Rausschmiss will er's allen zeigen und allein den legendären Gral finden.

Die Reise in fremde, surreale Gefilde wird bei Peer Boysen (er zeichnet für Text, Regie, Bühne, Kostüme des Gesamtkunstwerks) zu einer Suche nach sich selbst.

... und sucht (Foto: DigiPott)

Getrieben von Unruhe und Unzufriedenheit, fragt der Held jeden, was der Gral sei: Die Nebelinsel-Königin Aleta (Julia Meier), den Zauberer Merlin (Thorsten Krohn als chinesischer Weiser), den    glücklichen Angler Sligon, der einst Eisenherz' Eltern vertrieb (David Johnston), die Schildkröte Gustav, unter deren Hut sich ein mechanisches Wunderwerk (Jörg Loose) verbirgt. Auch Jugendfreund Arn (eine der von Mano Giesen gebauten und gespielten Puppen) und der alte Pomeranzen-Bonsai, dessen Zweige-Scheppern  eine altschottisch raunende Priesterin (Lucca Züchner) übersetzt, lassen ihn ratlos.

Boysens Fassung ist diesmal sehr episch und poetisch. Action bringt die Befreiung des wilden Hengstes Arvak aus einem Eisengestell, in dem der Musiker Greulix Schrank wütet (auch dessen Kollege Taison Heiß spielt mal mit). Wie immer zeigt Boysen alle Theatermittel offen. Die Bilder sind umso wundersamer und oft subtil komisch. Alle Sinn-Fragen bleiben natürlich offen - bis zur nächsten Folge.

Schauburg, 2., 26. Feb.2013, 19.30 Uhr, 4., 27. Feb.2013, 10.30 und 18.30 Uhr, 5., 28. Feb.2013, 10.30 Uhr, Tel. 233 371 55

Veröffentlicht am: 31.01.2013

Über den Autor

Gabriella Lorenz

Gabriella Lorenz ist seit 2010 Mitarbeiterin des Kulturvollzug.

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