Tollwood mit "Chouf Ouchouf"

Genau geschaut, nicht viel gesehen

von Gabriella Lorenz

"Chouf Ouchouf" mit fader Kraft-Akrobatik(Foto: Mario del Curto)

„Chouf Ouchouf“ heißt auf arabisch „schau, aber schau genau“. Das renommierte Schweizer Künstler-Duo Zimmermann & de Perrot hat sicher genau geschaut, als es mit der Groupe acrobatique de Tanger seine Show inszenierte - bloß kommt davon für deutsche Zuschauer wenig rüber.

Im Tollwood-Zirkusprogramm aus vier Kulturen und Kontinenten ist Marokko die dritte Station. Aber Choreograf Martin Zimmermann und Komponist Dimitri de Perrot zeigen mehr ihre Bild-Kunst als Zirkus.

Das zirzensische Repertoire beschränkt sich auf Parterre- und Kraft-Akrobatik: Luftsprünge mit Salti, Flic-Flacs et cetera sowie Equilibristik (einer ist Spezialist für schwierigste Handstände). Kraft-Artisten stellen mit Partnern ein lebendes Gleichgewicht her. Das können die zehn Männer und zwei Frauen der Truppe (das Verhältnis spiegelt eine Macho-Gesellschaft) hervorragend mit großen Menschen-Pyramiden. Andere Künste erwartet man vergebens. So wiederholen sich die Körper-Arrangements ständig. Das wird sogar in nur 60 Minuten fad.

Man muss das wohl als absurdes Theater sehen: Eine Wand teilt sich in Kasten-Türme, die sich immer neu formieren und heftig beturnt werden. Mal gibt's kleine Straßenszenen, mal leise Sozialkritik: Ein Bodybuilder schwenkt zwischen martialischen Posen als Quietsch-Tunte den Po.

Witzig klar ist nur der Markt, wo Händler ihre Klamotten aus „Türken-Koffern“ anbieten. Sonst versteht man wenig, von den arabischen Brüll-Gesängen ohnehin nichts. Am Ende entfaltet sich ein Sprungtuch und dann gibt's in die Höhe hinauf kein Halten mehr.

Die Aufführungen fanden vom 13. bis 15. Dezember 2012 statt.

Veröffentlicht am: 17.12.2012

Über den Autor

Gabriella Lorenz

Gabriella Lorenz ist seit 2010 Mitarbeiterin des Kulturvollzug.

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