Uraufführung "Built to Last" - Die Kritik

Der Umgang mit der monumentalen Bedrohung der Ewigkeit bleibt offen

von Gabriella Lorenz

Eine homogene Gruppe untereinander beziehungsloser Typen (Foto: Julian Röder)

Nun ist auch das Tanztheater in den Kammerspielen angekommen: Mit der Uraufführung "Built to Last" sucht die amerikanische Choreografin Meg Stuart nach den Stolpersteinen im Umgang des kleinen, vergänglichen Menschen mit für die Ewigkeit gebauten Monumenten.

Konzeptuelle Worte sind das eine, der Tanz ist etwas anderes. Von Meg Stuarts Idee ist in langen zwei Stunden nur wenig zu erahnen, und den angekündigten Gang durch die Geschichte des Modern Dance erkennen höchstens Experten. Monumental überwältigend ist der Soundtrack: Alain Franco hat sinfonische Musik montiert von Beethovens "Eroica" über Stockhausen, Lachenmann, Xenakis, Schönberg, Ligeti, Rachmaninow und Messiaen bis Bruckner. Die fünf Performer als homogene Gruppe untereinander beziehungsloser Typen reagieren darauf wie Roboter mit ruckartigen Bewegungen, später schleichen sich Drehungen und fließend-weicher Ausdruck ein. Sie dekonstruieren ein Denkmal, indem sie das Skelett-Modell eines Dinosauriers zerlegen und am Ende völlig anders wieder zusammenbauen. Über ihnen kreisen Planetenkugeln um einen Polyeder (Bühne: Doris Dziersky), in einer Container-Vitrine flimmern verwaschene Videos von Münchner Bauten. Die Vitrine wird kurz zum naturhistorischen Museum für drei Frühzeit-Menschen mit Neandertaler-Mähne, indianisch anmutender Gesichtsmaske, Dreschflegel und Ähren. Häufig werden aus unerfindlichen Gründen die Kostüme gewechselt, aber dadurch nicht schöner.

Verblüffend: die stärkste physische Präsenz zeigt Kristof Van Boven als einziger Schauspieler neben vier Tänzern. Dagegen behauptet sich noch hochpräzise Meg Stuarts Bruder Davis Freeman, unter den drei Damen gewinnt nur die blonde Anja Müller Expressivität. Aber wie der Mensch nun mit der monumentalen Bedrohung der Ewigkeit umgeht, verraten sie alle nicht.

Spielhalle der Kammerspiele am 2., 3., 4., 17., 17.,20., 23. und 24. Mai 2012, jeweils 20 Uhr, Tel. 233 966 00

Veröffentlicht am: 01.05.2012

Über den Autor

Gabriella Lorenz

Gabriella Lorenz ist seit 2010 Mitarbeiterin des Kulturvollzug.

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