Theatergruppe "ImPuls" zu Gast im Teamtheater

Und nach dem Krieg wird weiter gekämpft

von Gabriella Lorenz

Simon Stephens Drama "Motortown" thematisiert Posttraumatische Belastungsstörungen von Kriegsheimkehrern, Foto: Theater ImPuls

„Ich gebe dem Krieg keine Schuld. Der Krieg ist in Ordnung. Er fehlt mir.“ Das sagt  Soldat Danny, der mit 25 aus dem Nahost-Krieg heimkehrt. In England wartet ein subtilerer Krieg auf ihn – Danny kann mit seiner Umwelt nicht mehr  umgehen. „Posttraumatische Belastungsstörung“  heißt das. Der Brite Simon Stephens (41) schrieb darüber 2006  sein Drama „Motortown“.

Stephens  gehört mit seinen sozialkritischen Analysen zu den meistgespielten Gegenwarts-Autoren. Im Teamtheater Tankstelle konzentriert Andreas Wiedermann seine beklemmende Inszenierung auf drei Darsteller – und die liefern ein starkes Stück. „Motortown“, das ist Dagenham in Essex, wo's mal eine Autoindustrie gab. Weshalb Marcel Tyroller die Bühne vollmüllt mit alten Autoreifen, die Wiedermann einfallsreich bespielen lässt. Heimkehrer Danny (Axel Röhrle) schlüpft unter bei seinem halbdebilen und doch klarsichtigen Bruder Lee (Herbert Schäfer spielt auch  bravourös alle anderen Männerrollen).

Danny kriegt kein Bein mehr auf den Boden. Seine Ex-Freundin Marley (Eva Kruijssen überzeugt in allen Frauenrollen) will nichts mehr von ihm wissen. Job? Vergiss es! „Du, ich bin ein Held“, schreit Danny, aber es interessiert weder den schmierigen, pädophilen Waffenhändler noch das Yuppie-Pärchen, das im Motel einen flotten Dreier sucht. Da hat Danny schon eine Mädchen-Leiche im Auto. Die Folterbilder, die er im Krieg gesehen hat, muss er reproduzieren, um sich als Mann zu fühlen. Er findet keinen anderen Realitätsbezug mehr, er ist ein Verlorener, der ständig aggressiv ausflippt, ein Opfer, das Täter wird.

Regisseur Andreas Wiedermann aus Straubing erregt mit seinem freien Theater ImPuls  und der Opera Incognita seit Jahren Aufsehen in München. „Motortown“ ist wieder etwas zum intensiven Hingucken.

 

Nächste Vorstellungen im Teamtheater Tankstelle (Am Einlass 2 a) am 5., 7., und von 11. bis  15. April, 20 Uhr, Tel. 260 66 36, www.teamtheater.de

Veröffentlicht am: 05.04.2012

Über den Autor

Gabriella Lorenz

Gabriella Lorenz ist seit 2010 Mitarbeiterin des Kulturvollzug.

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