"Puzzleteile im Wind" zu Gast im TamS-Theater

Wer sucht, kann sich auch mal verlieren

von Gabriella Lorenz

Cari bintang ist indonesisch und bedeutet: Sterne suchen. Auf Sternensuche im Universum kann man leicht in einem kosmischen Sturm ein Teilchen seiner selbst verlieren, das dann nicht mehr wiederzufinden ist. Es reicht aber auch ein irdischer Gefühlssturm, damit eine Frau danach mühsam ihre „Puzzleteile im Wind“ zusammenhaschen muss. Ob sie dabei einen Stern findet, lassen Urte Gudian und Ardhi Engl in ihrer neuen Tanz-Theater-Musik-Performance zu Gast im TamS offen.

Irgendwas scheint der Dame zu fehlen, die abgezirkelt mit ihrer Mode-Einkaufstüte um Stellwände herumtrippelt und drinnen um den Teetisch ihre Kleider ausbreitet. Offenbar liebt sie niemand, weshalb sie plötzlich eine Fahrkarte für die Transsibirische Eisenbahn nach Sizilien, pardon: Sibirien kauft. Was sie da außer sich selbst sucht, erfährt man nicht recht. Aber sie gönnt sich jetzt ein Klamotten-Chaos und trotzt mit Fellmütze und Fellstiefeln – bald nur noch einem – sowie mit Tanz der Kälte der Schnee-Videobilder.

Die Identitätssuche verliert sich unverständlich wie Puzzleteile im Wind. Aber diesen beiden Künstlern schaut man auch ohne überzeugende Story gerne zu. Urte Gudian, Tänzerin mit Butoh-Spezialisierung und Sängerin mit Liebe zu mongolischen Klängen und Fantasiesprachen, flippt hübsch aus als Selbst- und Sternensucherin. Der Musiker Ardhi Engl ist ein Klangerfinder, der sogar einen Besenstiel als Bass spielen kann. Und verzaubert als Videokünstler mit herrlichen, sich in Op-Art auflösenden Grafik-Bildern. Nur fehlt hier die Interaktion der beiden, die ihre früheren Produktionen so witzig machte.

 

 

Veröffentlicht am: 20.03.2012

Über den Autor

Gabriella Lorenz

Gabriella Lorenz ist seit 2010 Mitarbeiterin des Kulturvollzug.

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