"Schwerer als Luft" im Schwere Reiter: Musiktheater über die Sehnsucht nach dem Himmel - nur noch heute am Sonntag

von Gabriella Lorenz

Performance der Flugzeugabfertiger zu der Uraufführung "Schwere Luft", Foto: Erol Gurian

Sie machen die harte Bodenarbeit: Sie be- und entladen die Flugzeuge. Aber auch diese Männer träumen vom Fliegen. Und besingen diesen Traum sogar. Zwölf Loader haben neben ihrem Knochen-Job ein Jahr lang geprobt, um als Sänger-Darsteller das Musiktheater „Schwerer als Luft“ von Komponistin Nélida Béjar (32) und Björn Potulski (Libretto, Regie) zur Uraufführung zu bringen. Die fand standesgemäß am Flughafen München statt, in einer Halle am Rollfeld, mit Blick auf die Flugzeuge. Bis diesen Sonntag wird die Aufführung im Schwere Reiter gespielt.

 

Die ungewöhnliche Idee hatte Björn Potulski. Der umtriebige 35-Jährige hat schon als Student in München das freie Theater Sündenfall gegründet und später eine Europa-Kooperation freier Theater initiiert, die 2008 „Exodus“ in Malta, Catania, Wien und München aufführte. Jetzt arbeitet er als Politik-Referent am Flughafen München – und infiltriert diesen mit zeitgenössischer Kunst. Wobei sich allerdings leise der Verdacht aufdrängt, dass man damit um Sympathie für die dritte Startbahn wirbt.

Dem Menschheitstraum vom Fliegen spüren Texte von Ovid, da Vinci, Rousseau, Kolumbus und Joyce nach. Nélida Béjar hat sie in einstimmige Chöre gegossen, die mit Orffscher Perkussions-Wucht (Béjar hat beim Orff-Schüler Wilfried Hiller studiert) aus flirrenden Streicherklängen des Profi-Ensembles Undercoverfiction hervorbrechen.

Szenisch passiert wenig. Die zwölf singenden Männer in blauen Arbeitshosen schiebt Potulski als Chor hin und her, lässt sie immer wieder Holzstangen zu Riesen-Flügeln formieren. Aber ihr Einsatz, ihre ernsthafte Hingabe an dieses elitäre Kunstprojekt sind sehr beeindruckend.

 

Schwere Reiter, Dachauer Straße 114, bis Sonntag 4.2., 20 Uhr, Eintritt frei, Reservierung www.munich-airport.de/tickets

Veröffentlicht am: 05.02.2012

Über den Autor

Gabriella Lorenz

Gabriella Lorenz ist seit 2010 Mitarbeiterin des Kulturvollzug.

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