Showcase Beat Le Mot im Marstall: Postdramatischer Performancewirbel mit Flagellationsmaschine und ein bisschen Mittelalter

von Gabriella Lorenz

Showcase Beat Le Mot (Foto: Aitia Tofimoff)

Die Wiedertäufer hatten eine soziale Utopie: Gleicher Besitz für alle, freie Liebe, Vielehe, Massenorgien, Drogen – man denkt an Hippiekommunen. Nur war's im Umbruch vom Mittelalter zur Neuzeit zu früh dafür.

1532 gründeten die Radikalreformer in Münster ihren eigenen Staat, der 1535 ein blutiges Ende fand. All das kann man beim Titel „1534“ assoziieren, sollte aber wenig davon bei der Aufführung erwarten. Die Hamburger Performance-Gruppe Showcase Beat Le Mot bespielt derzeit auf Einladung von Resi-Intendant Martin Kusej einen Monat lang den Marstall mit zwei Eigenproduktionen, Gastspielen befreundeter Truppen und am Ende einer Uraufführung.

Wie der Name sagt, schlagen Showcase Beat Le Mot gerne das Wort,  aber das ist im Performance-Kontext eher unwichtig. Genauso wie Schauspielerei  – die vermeidet das Männerquartett um jeden Preis. Hier wird nichts dargestellt, sondern einfach postdramatisch ausgestellt.

Deshalb passiert zu Beginn von „1534“ erstmal lange nichts. Die Akteure richten in aller Ruhe die Bühne ein – und da hat man viel zu sehen, auch wenn es dann fast keine Funktion hat. Aus einem Treibhaus zucken rote Neonblitze, in einem Glaskubus wuchert wolkiger Seifenschaum, Weihrauch duftet, große Sanduhren rieseln. Ein Zuber zum Weinkeltern, eine Töpferscheibe, eine Flagellationsmaschine.

Alles wird eingesuppt von einem synthetischen Pseudo-Mittelalter-Soundteppich aus Drehleier, Schalmey und sozialkritischen Live-Chorälen. Irgendwann outen sich die Herren als Propheten – „arm, faul und ohne Einfluss“ –, die in Münster ihr Glück suchen. Zwischen Anarchie und Herrschaftsanspruch blitzen Dialektik auf, Ironie, bewusste Lächerlichkeit und fantastische Absurdität. Doch vor allem die Szenerie macht 90 lange Minuten denn doch unterhaltsam.

Veröffentlicht am: 25.01.2012

Über den Autor

Gabriella Lorenz

Gabriella Lorenz ist seit 2010 Mitarbeiterin des Kulturvollzug.

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Joe the Troll
31.01.2012 02:05 Uhr

Dear Ms. Lorenz,

Can you please explain what "Showcase Beat" and "Performancewirbel" mean ? An an Anglophone who understands German ,I am mystified by Germans` of English words the meanings of which they distort or completely ignore. In addition , there is the tendency to combine English and German words , as your article illustrates .Why do you not write it in proper German - which I trust you know , and stop misusing English - we are not impressed - or just write it in English . We await your next "review".

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