Hyperaktiv und schwerhörig: Der eingebildete Kranke in der Komödie im Bayerischen Hof

von Gabriella Lorenz

Nach dem Interview mit dem Hauptdarsteller Nikolaus Paryla geht's nun zur Sache: "Der eingebildete Kranke" in der Komödie am Bayerischen Hof. Und die erweist sich als eine übertrieben lebhafte Inszenierung des berühmten hypochondrischen Dreiakters.

Doppelrolle: Nikolaus Paryla führt Regie und spielt den eingebildeten Kranken (Foto: Neumann)

Schade, dass sich dieses Stück nicht zum Monolog umarbeiten lässt. Man sieht Nikolaus Paryla mit Vergnügen zu, wie er Pillen abzählt, Arztrechnungen buchhalterisch genau zurechtstutzt, seine Familie schikaniert und vor lauter Medikamentengier eine Pipette verschluckt, die dann munter vor sich hin quietscht. Nikolaus Paryla inszeniert sich selbst –  beachtlich diszipliniert – als „Der eingebildete Kranke“ von Molière in der Komödie im Bayerischen Hof.

Mit präziser Fahrigkeit spielt er den reichen Hypochonder Argan als altes Kind, das geliebt werden will und sich mit angeblichen Wehwehchen wichtig macht. Das ist sehenswert. Allerdings  eingebettet in eine Inszenierung des Regisseurs Nikolaus Paryla. Die erweckt den Eindruck, dass Argan vor allem schwerhörig ist. Lärmende Geschäftigkeit entfaltet sich mit schrillem Geschrei, bösem Gekeife, falschem Edel-Pathos und gnadenlosem Outrieren.

Von einigen Schauspielern weiß man, von anderen ahnt man, dass sie es differenzierter könnten. Aber alle tänzeln und turnen lautstark so aufgeregt herum, dass man ihnen gern ein Beruhigungsmittel  gäbe. Auch Argans Gegenspielerin, die gewitzte, liebevolle Haushälterin Toinette, bleibt bei Undine Brixner ein Klischee ohne Kanten. Dass ihr heilsamer Auftritt als falscher Arzt zum nächtlichen Alb wird, erschwert das Verständnis eher.

Und wenn der sich totstellende Argan als artistischer Traum-Harlekin zum Leben erwacht, ist das zwar poetisch-komisch, nur will man nicht sehen, wie sich sein Double danach aus dem Bett wegstiehlt. Paryla ist der einzige Darsteller, der nicht übertreibt. Aber das Stück ist leider kein Solo.

Kömödie im Bayerischen Hof, bis 10. März, Tel. 29 16 16 33, www.komoedie-muenchen.de

Veröffentlicht am: 24.01.2012

Über den Autor

Gabriella Lorenz

Gabriella Lorenz ist seit 2010 Mitarbeiterin des Kulturvollzug.

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