Dan Ettinger dirigiert das 3. Akademiekonzert in der Oper: Dramatische Energie lässt Taktstock fliegen

von Volker Boser

Dan Ettinger in Aktion und ohne Taktstock, Foto: Musikalische Akademie

Der israelische Dirigent Dan Ettinger ist ein gefragter Mann: An der Bayerischen Staatsoper dirigiert er Bizets „Carmen“, Donizettis „Liebestrank“, dazu „La Bohème“ und „Turandot“ von Puccini. Außerdem ist er Generalmusikdirektor in Mannheim und Chefdirigent des New Tokyo Philharmonic Orchestra: Der 41-jährige hat alle Hände voll zu tun. Das von ihm geleitete Akademiekonzert im Nationaltheater dauerte keine fünf Minuten, da flog der Taktstock im hohen Bogen ins Orchester.

Dan Ettinger setzte den Beginn von Mahlers Zweiter, der „Auferstehungssymphonie“, so dramatisch in Szene, dass er dabei schier aus dem  Häuschen geriet.

Natürlich weiß der ehemalige Assistent von Daniel Barenboim, dass sich dieser 80-Minuten-Koloss nicht im Vorübergehen bewältigen lässt. Erstaunlich, wie schlüssig er vor allem die beiden ausgedehnten Ecksätze musizierte. Den Aufschrei zu Anfang mit den schroffen Bässen hat man selten so dämonisch-aggressiv vorgeführt bekommen wie diesmal. Das Finale überwältigte, weil die Steigerungen behutsam inszeniert und allzu vordergründige Effekte klug vermieden wurden.

Dazwischen erlag Dan Ettinger dann aber leider der Versuchung, allzu rasch zu durcheilen, was langsam entdeckt werden müsste. Im Ländler des zweiten Satzes ignorierte er die Anweisung „sehr gemächlich“ mit geradezu aufmüpfiger Hartnäckigkeit.

Dennoch überwogen die positiven Eindrücke. Was nicht nur daran lag, dass sich der im Eifer des Gefechts abhanden gekommene Taktstock schnell wieder fand. Die Solopartien waren mit Waltraud Meier und Dorothea Röschmann geradezu feudal besetzt. Und auch der Staatsopernchor und das Staatsorchester ließen sich von der mutigen Energie des Maestro gerne anstecken: Dieser symphonische Auftritt im Nationaltheater war jedenfalls weitaus erfreulicher als der Eindruck, den unlängst ein lediglich lasch buchstabierter „Liebestrank“ hinterließ.

 

Veröffentlicht am: 14.01.2012

Über den Autor

Volker Boser

Volker Boser ist seit 2010 Mitarbeiter des Kulturvollzug.

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