Der vorerst letzte Kuss der Tuba - La Brass Banda in der Olympiahalle

von Salvan Joachim

Kopf der Chiemgauer Bläser-Bande: Stefan Dettl (Foto: Sascha Böckmann)

La Brass Banda gönnen sich im nächsten Jahr eine Verschnaufpause. Bislang bleibt den bayerischen Bläsern auch nach 500 Konzerten in vier Jahren nie die Luft weg. Über drei Stunden lang treiben sie tausenden Fans beim Tourabschluss in der vollen Olympiahalle den Schweiß auf die Stirn: "Heit spuima bis Bluad spritzt!"

Für die fünf Musiker aus dem Chiemgau ist dieser Auftritt nicht irgendeiner: Es ist der gefühlt letzte, denn 2012 wollen sie sich zurückziehen, um das dritte Album nach "Habediehre" und "Übersee" zu produzieren. Zeit also zum Verabschieden, Bedanken und noch einmal die Sau raus lassen. Vom ersten Ton an stampfen, springen und tanzen die Musiker, reißen so die Menge mit.

Eine Vorband haben sie gleich gar nicht eingeladen. "Dafür spuin mia a Stund länger", ruft Sänger und Trompeter Stefan Dettl zu Beginn des Konzertes. Dem Publikum in der Arena ist das grade recht. Viele Fans standen schon am frühen Nachmittag vor der Halle, um die begehrten Plätze in der ersten Reihe zu bekommen.

Ja, ein Geheimtipp sind La Brass Banda schon lange nicht mehr. Fast vergessen ist die Zeit zur Europameisterschaft in der Schweiz und Österreich. Damals tuckerten die fünf Freunde gemächlich auf dem Traktor vom Chiemsee nach Wien - Höchstgeschwindigkeit des Gefährts: 18 Stundenkilometer. Sie spielten überall, wo genug Platz für Trompete, Posaune, Tuba, Schlagzeug und E-Bass war: in Gärten, Bierzelten, Clubs und zuletzt in der Fanzone. 2011 ist alles schneller und größer geworden. In München füllten sie im letzten Jahr dreimal den Circus Krone. Jetzt also die Olympiahalle: Für Lenny Kravitz wurde sie verkleinert, LaBrassBanda füllen sie fast komplett und Rammsteins Pyrotechnik brauchen sie auch nicht: Die Musiker sorgen schon selbst für Hitze in der Halle.

Tuba-Yoga für Tanzmuffel

Mit der Kuh im Rücken vor der vollen Olympiahalle (Foto: Salvan Joachim)

Jeder Schritt der barfüßigen "VolXmusiker" wird auf zwei Leinwände rechts und links neben der Bühne übertragen. So sehen auch die Fans auf den Rängen genau, wie man sich zu dieser Musik bewegt. Von Yogaübungen zu Tubatönen bis zum Anfängerkurs "Jodeln als Flirtstrategie" - Dettl lässt sich einiges einfallen, damit sich auch der letzte Tanzmuffel ein Bein ausreißt.

"Das war das Programm der Vorband", scherzt Dettl nach gut einer Stunde und dem Fluchtversuch auf der "Autobahn". Weg will hier aber keiner, nur man fragt sich: Wie kann man mit Vollgas jahrelang so springen, singen, tanzen und vor allem den richtigen Ton auf der Trompete treffen? Das grenzt an Hochleistungssport, und Dettl verrät, dass die Band nicht ohne Doping auskommt: "Nach dem Konzert gibt's ein kühles dunkles Weißbier!" Das mache alles wieder ganz "nice and slow".

So balzen bayerische Bläser

"I love big butts" steht auf Dettls T-Shirt und besonders angetan hat es ihm der Hintern von Andrea, der einzigen Frau in der Band. Mittlerweile ist sie sehr männlich geworden, nennt sich Hans und spielt Tuba - soweit die Legende um Andreas Hofmeir, den Tuba-Spieler mit der langen blonden Mähne. Ein Liebeslied für Andrea soll aber heute nicht fehlen: Verführerisch schleckt Hofmeir über das Mundstück der Tuba, Dettl pirscht sich mit einer Liebesmelodie aus der Trompete heran, fällt auf die Knie, streckt den Kopf nach oben, die Augen geschlossen und die Lippen gespitzt. Hans erwidert den Kuss: Er bläst mit voller Kraft in die Tuba.

Andrea-Andreas-Hans Hofmeir an der Tuba (Foto: Sascha Böckmann)

 

Die Musik verbindet, und am liebsten würde die Band jeden einzelnen Besucher persönlich begrüßen. Zehn Minuten lang quetschen sie sich mit den Blasinstrumenten durch die tobende Halle. Dann geht es weiter: "Stellt euch vor ich bin schwarz und scharf", Dettl mimt Busta Rhymes in "Marienkäfer", dann "Ringlbleame" und zuletzt "Natalie".

Die Zeit vergeht viel zu schnell. Doch ehe die Wehmut zu groß wird, spendet Dettl Trost: "Wenn ihr richtig gut wart, gibt's von diesem Konzert eine Live-Cd im Februar." Außerdem können die Burschen nicht völlig von den Bühnen lassen. Die großen Festivals spielen sie auch 2012: Highfield, Hurricane, Southside und das Heimspiel am Chiemsee Summer Reggae. Danach wollen sie wieder ganz klein anfangen und 2013 das neue Album in "Kuhställen und kleinen Clubs" vorstellen. Sie werden viel Weißbier trinken müssen - denn von den Gästen in der Olympiahalle wird jeder wiederkommen wollen.

Impressionen aus der Olympiahalle

 

 

Veröffentlicht am: 06.12.2011

Über den Autor

Salvan Joachim

Redakteur

Salvan Joachim (1986) ist seit 2011 beim Kulturvollzug.

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