Zwischenstand vom SpielArt: Expeditionen mit ungewissem Ausgang

von Gabriella Lorenz

"Small Narration" des Polen Woitek Ziemilski, Foto: Veranstalter

Durststrecken muss man bei Expeditionen einplanen. Nach sinnlichem Start gab's beim SpielArt-Festival jetzt Produktionen, die einen guten Denkansatz nur unzulänglich gutgemeint umsetzten. Diskussionen liefert das allemal.

Eine formal geglückte Ausnahme war die Lecture-Performance "Small Narration" des Polen Woitek Ziemilski. Sein Großvater, beliebt als Operetten-Entertainer, wurde als langjähriger Geheimdienst-Spitzel enttarnt. Den Schock, die Frage nach der Identität, verarbeitet der Enkel in einer emotionslosen Textlitanei, in der es viel mehr um Gedächtnis geht als um den Großvater, um Neuanfänge des Denkens und Identifizierens, mit Bildzitaten aus Tanzproduktionen. Spröde, aber faszinierend.

Die italienische Gruppe Motus zeigt "Alexia. Una tragedia greca", Foto: Veranstalter

Die sozialen Aufstände in Griechenland wollte die italienische Gruppe Motus mit der antiken Tragödie "Antigone" verknüpfen. In Athen recherchierten sie den Tod eines erschossenen 15-jährigen Demonstranten. Trotz einiger Sophokles-Texte geht die Verbindung in "Alexia. Una tragedia greca" inhaltlich daneben, das Ergebnis ist einfach Agitprop. Aus Alexis wird kein Polyneikes, obwohl natürlich Antigone immer als Widerstandsfigur taugt – tänzelnd und rumpfbeugend zwischen Nebelwerfern und Straßenlampen. Beim Apell zum Handeln hat sie einen Plasterstein in der Hand. Soll das die Lösung sein?

Die Münchner Szene mischte mit dem deutsch-türkischen Künstlerprojekt "Carpma – Der Aufprall" mit. Der Ausgangspunkt: Je drei Performer aus München und Istanbul tauschen ein paar Wochen die Wohnungen. Aber von deren Aufprall im anderen Kulturkreis erfährt man fast gar nichts. Dafür schicken einen die Regisseure Angelika Fink und Bülent Kullukcu per Tram bis an den Stachus, geführt von einem geschwätzigen, österreichischen Kini Ludwig. Es gibt wenige schöne Bilder: Die Geswichter eines Paares verschmelzen in aufgeschmiertem Lehm, in einer Kneipe liefern sich am Ende eine Deutsche und ein Türke einen verbalen Boxkampf. Zu wenig für drei Stunden.

SpielArt-Festival bis zum 4. Dez. 2011, Info unter www.spielart.org, Karten tel. 0180-54 81 81 81

Veröffentlicht am: 28.11.2011

Über den Autor

Gabriella Lorenz

Gabriella Lorenz ist seit 2010 Mitarbeiterin des Kulturvollzug.

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