Zwischen den Stühlen - die Pinakothek der Moderne zeigt Möbel von Donald Judd

von Salvan Joachim

Zweckfreie, puristische Kunstobjekte - sie machten Donald Judd in den 1960er-Jahren berühmt. Dass er sich auch als Designer betätigte und Möbel mit konkretem Nutzen baute, zeigt die Ausstellung "A good chair is a good chair".

Donald Judd, Hocker, 1992. Die Neue Sammlung - The International Design Museum Munich Foto: Die Neue Sammlung - The International Design Museum Munich (A. Laurenzo) Donald Judd Furniture (Trademark) © Judd Foundation

Ob Museum oder Möbelhaus - der Ort würde keinen Unterschied machen: Man setzt sich nicht auf Judds Möbel. Klar, in die Pinakothek der Moderne geht man ja nicht zum Anfassen und Probesitzen, sondern zum Anschauen und Nachdenken. Zum Beispiel darüber, wie man sich - auf der Suche nach einem neuen Schreibtischstuhl - verhalten würde, wenn ein Modell von Donald Judd im Angebot wäre. Gut möglich, dass man stirnrunzelnd das Einrichtungshaus verlassen würde. Denn allein der Gedanke daran, sich aufrecht in diese rechtwinkligen, harten Holzecken zu quetschen, bereitet Kreuzschmerzen.

Donald Judd, der von 1928 bis 1994 lebte, ist nicht für seine Stühle, Regale und Tische berühmt geworden. Er machte sich einen Namen als Kunstkritiker, Maler, Bildhauer und Architekt. Wesentlich prägte er die Minimal-Art der 60er-Jahre. Von Gemälden wandte er sich ab und begann dreidimensionale Objekte zu konstruieren. Seine "16 unit wall-boxes" beispielsweise, die in der ständigen Ausstellung der Pinakothek der Moderne zu sehen sind: Gleichgroße Kästen, nebeneinander in den Raum gehängt und nur in der Anordnung der inneren Bretter unterscheidbar.

Donald Judd, Armlehnstuhl (Aluminium, einbrennlackiert), 1984 | 1989, Hersteller Janssen C.V., Niederlande Courtesy Hester van Royen, London. Foto: Stuart Whipps, Donald Judd Furniture (Trademark) © Judd Foundation

Dass er schließlich Möbel baute, lag an der Zeit: Ihm gefiel nicht, was die 1970er-Jahre boten. Als er sich im texanischen Marfa einrichtete, griff er selbst zum Hammer. Ein Schreibtisch, ein paar Stühle und ein Kinderbett sollten es werden. Nicht mehr. Und so sieht das Ergebnis auch aus: Die Möbel sind auf das Wesentliche reduziert, kein Schnick-Schnack und kein Firlefanz.

Purismus ist nicht nur ein Kunstverständnis, sondern auch eine Art zu Sitzen. Aus heutiger Perspektive erscheint das ungewohnt, wird doch allerorts die optimale ergonomische Sitzposition, das bequemste Polster, die rückenschonendste Lehne angepriesen.

Design soll verschiedene Bedürfnisse befriedigen. Und die sind eine Frage der Zeit. Den Wunsch nach einer Ästhetik der Einfachheit, löst Judd durch puristische Gestaltung ein. Den praktischen Nutzen eines Stuhls sah er wohl eher im Aufstehen, als im Sitzen.

"Donald Judd. A good chair is a good chair" ist bis 9. Oktober in der Pinakothek der Moderne zu sehen. Täglich außer Montag 10.00 - 18.00 Uhr, am Donnerstag 10.00 - 20.00 Uhr.

Veröffentlicht am: 26.07.2011

Über den Autor

Salvan Joachim

Redakteur

Salvan Joachim (1986) ist seit 2011 beim Kulturvollzug.

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