Wenn jedes Bild zum Unikat wird

von Achim Manthey

Dies ist ein Unikat, weil Hubertus Hamm es so geplant hat (Foto: Achim Manthey)

Die Bayerische Staatsoper präsentiert mit "Molded Mirrors - All the World's a Stage" sechs Installationen von Hubertus Hamm.

Samstagnacht, Münchner Residenz. Gegen 23 Uhr versammeln sich im Königssaal und in den Ionischen Sälen an die 100 Menschen. Eine Ballgesellschaft womöglich, zu der sich jeden Moment Violetta und Alfredo gesellen und zum Brindisi ansetzen könnten.

Weit gefehlt.

Anläßlich der ArtNight hat die Bayerische Staatsoper exklusiv und einmalig eine Nachtstunde lang für Besucher ohne gültige Eintrittskarte ihre Türen zur aktuellen Ausstellung des Fotografen Hubertus Hamm geöffnet.

Molded Mirrors by Hubertus Hamm (Foto: Achim Manthey)

Hamm, einer der bedeutendsten deutschen Produkt- und Werbefotografen, bricht ganz gern einmal aus aus seinem Metier, öffnet sich reliefartigen Arbeiten und in jüngerer Zeit auch Installatonen. Von einem Unternehmen sei er eingeladen worden, berichtet der Künstler, an der Gestaltung einer Fassade mitzuwirken. Spiegelarbeiten habe er vorgeschlagen. So entstand die Idee, polierte, hochglänzende Edelstahlflächen mit schwerem Hammer zu bearbeiten. Entstanden sind Reflektionslandschaften, die jede Spiegelung und jede hiervon genommene Fotografie einzigartig, unwiederholbar machen.

Das bedeutet zugleich, dass nicht die Installation selbst das Kunstwerk ist. Sie wird es erst durch die Umgebung, in der sie aufgebaut ist, vor allem aber durch die Mitwirkung des Betrachters , der eingeladen ist heranzutreten und sich in der  gespiegelten Umgebung zu entdecken. Er wird nur wenige plane Flächen finden, in denen er sich in natura wiedergegeben sieht. Überwiegend wird der Mensch vor dem demolierten Spiegel gebrochen gezeigt, verschmilzt mit den Spiegelungen des Umfelds, erscheint als Licht- und Farbreflex, wird integraler Bestandteil eines Kunstwerks, das es Momente später so nicht mehr geben wird. Schon eine leichte Bewegung, eine Veränderung der Position lässt Neues entstehen. "And all the men and women merely players", so der Untertitel zur Ausstellung. Hamms Installationen spielen mit dem Betrachter, der zum verzerrten Spiegelbild seiner selbst wird. Einfangen, festhalten lässt sich das nur durch Fotografien, die der Besucher beispielsweise mittels Handykamera fertigt. Das nicht festgehaltene Bild ist sonst für alle Ewigkeit verloren.

Der Künstler im Kreis seiner Anhänger (Foto: Achim Manthey)

Die Hängung der Installation in den Räumen der Residenz ironisiert. Kaum ein Ort ist denkbar, an dem menschliche Eitelkeiten und Koketterien deutlicher zur Schau gestellt werden. Die in Foyers und Rängen der Theater angebrachten Spiegel haben System, dienen dem Publikum zur Kontrolle ihres Erscheinungsbildes und zum Posing. Sitzt die Frisur, die Kravatte oder Fliege, bin ich schön? Prächtig beschreibt C. Bernd Sucher in der zur Ausstellung erschienenen Broschüre diesen theatralischen Jahrmarkt der Eitelkeiten. Wer nicht des Stückes wegen da ist, kommt seiner selbst wegen. Hamms Installationen verkehren dieses Schaulaufen ins Kuriose.

Die Idee und ihre Umsetzung sind großartig. Schade nur, dass weiten Teilen eines interessierten Publikums dieses Erlebnis versagt bleibt. Dem Nationaltheater wäre kein Zacken aus der Krone gebrochen, die Ausstellung in diesem Ambiente einer breiteren Öffentlichkeit zugänglich zu machen.

Bis zum 21. Juni im Königssaal und den Ionischen Sälen der Bayerischen Staatsoper. Eintritt nur mit einer gültigen Eintrittskarte für die jeweilige Abendvorstellung. Der Künstler wäre dankbar, wenn Besucher ihm Handybilder oder sonst gefertigte Fotografien über my@moldedmirror.de für eine spätere Publikation schenken würden.

Veröffentlicht am: 23.05.2011

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