Urformen der Kunst

von Achim Manthey

Als schwebte er (Bild: Edgar Leciejewski)

In der Ausstellung "Himmel ohne Wolken" zeigt die Sammlung Fotografie im Münchner Stadtmuseum Scanografien von Edgar Leciejewski.

Vögel, Vogelkörper. Verwunden, verdreht, drapiert, seziert. Jedes Tier ist in einer anderen Stellung plaziert. Vordergründig erinnern die Bilder an die Illustrationen in naturwissenschaftlichen Werken des 18. und frühen 19. Jahrhunderts, als den Darstellungen wissenschaftlicher Zeichner noch vertraut wurde, bevor sie ersetzt wurden durch die aufkommende Fotografie. Die Wissenschaft verlangt die objektive Darstellung, um zu vergleichen, zu messen, zu klassifizieren und zu archivieren. Die Bilder müssen direktes Abbilder der Natur sein, ohne Einfluss von künstlerischer Interpretation und Gestaltung.

Edgar Leciejewski setzt sich in seinen Aufnahmen, die durch Skannen entstehen, über diese rein objektive Betrachtungsweise hinweg. Er inszeniert die Tierkörper, präpariert und formt sie. Größenverhältnisse der dargestellten Vogelarten lassen sich nicht mehr nachvollziehen. Unterscheidungsmerkmale wie die Form der Schnäbel sind durch die dargestellte Haltung kaum noch erkennbar. Es entstehen abstrakte Abbildungen, die in der Stofflichkeit und Schärfe der dargestellten Oberflächensstrukturen überraschen. Die Formen und Strukturen stehen im Vordergrund. Ein Erlenzeisig, den Kopf zwischen die Flügel gesenkt, scheint in der Ewigkeit zu schweben. Eine Singdrosssel weist mit dem Flügel die Richtung. Bei einem Vogel sind Bein- und Brustmuskulatur freigelegt. Fast scheint es, als wolle der Künstler dem Betrachter die essbaren Teile von Wachtel oder Taube vor Augen halten. 

Durch die Darstellung der Tierkörper vor pechschwarzen Hintergrund erzeugt der Künstler eine Plastizität, die auf den Betrachter wie eine optische Täuschung wirken muss. Es dauert eine Weile, bis man sich von dem Gedanken frei machen kann, dass es sich um eine Manipulation toter Tierkörper handelt. Dann allerdings ist das Gezeigte sehenswert.

Bis zum 31. Juli im Forum 024 des Münchner Stadtmuseums, täglich außer Mo. von 10 - 18 Uhr. Zur Ausstellung ist im The Green Box Verlag Berlin ein Katalog mit Texten von Christin Krause und Karsten Tabel erschienen.

Veröffentlicht am: 24.05.2011

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