Männer sitzen im Nirgendwo

von Achim Manthey

GlaubeKunstSelbstherrlichkeit, 2009 (Foto und Copyright: Margret Paal))

In der Ausstellung "Panta Rhei - gemalte Fotografie" zeigt die Galerie Eva Tömmel in München Arbeiten von Margret Paal.

Zwei alte Männer im Dialog. Freunde, Vertraute, wie es scheint. Worauf immer sie sitzen, ist nicht zu erkennen auf dem Bild. Alles, was überflüssig scheint, ist elimeniert. Sitzmöbel, Umwelt würden nur ablenken von der Konversation der Greise. Das 2009 entstandene Bild "GlaubeKunstSelbstherrlichkeit" zeigt drei Männer, wohl in einer Hotellobby, Geschäftsreisende, sprachlos, wortlos, die Gesichter nicht erkennbar, anonymisiert. Auch sie sitzen bindungslos in der Leere, hängen ebenso in der Luft wie Glas und Aschenbecher. Nichts lenkt ab von der Trostlosigkeit der Szene.

Margret Paals Arbeiten entstehen am Computer. Sie sind weder Malerei noch Fotografie im klassischen Sinne. Paal hat eine Mischform gefunden. Der Pinsel, den sie einsetzt, ist digital. Schon bei der Inszenierung der Fotos, die ihrer Arbeit zugrunde liegen, stellt sie sich die digitalen Bildbearbeitungsmöglichleiten vor. "Mir geht es um die Wahrnehmung jenseits von Oberflächen", sagt die 48-jährige Künstlerin, und weiter "ich destilliere aus meinen gesammelten Augenblicken die gefühlte Wahrheit hinter den Dingen". Der gezielte Einsatz von Farbe als Ausdruckmittel wie auch das Spiel mit Schärfe und Unschärfe ist ihr dabei besonders wichtig, um den Blick des Betrachters auf das Wesentliche zu lenken.

Eine alte Frau im Krankenhaus. "Visite". Das Gesicht zur Unkenntlichkeit übermalt, bandagiert. Aber sie schreit nicht, wie auf Helnweins berühmtem Gemälde. Sie bleibt starr, apathisch. "Pia & Luca", ein Paar, das vor rot-gelbem Hintergrund in schwarz-weiß dargestellt, unsicher in die Kamera lächelt, erscheint brüchig, durchlässig. An zwei Stellen seines Hemdes scheint der farbige Hintergrund durch. Es wirkt, als sei es Attrappe. Die Bilder suchen den Dialog mit dem Betrachter. "Notte Verde (Die grüne Nacht)": auch hier ist das Gesicht der Frau durch starke Striche unkenntlich gemacht; das Bild erhält seinen Titel durch die knallgrüne Schürze des Mannes im Hintergrund.

Einen Schwerpunkt der Ausstellung bildet die in einem gesonderten Raum gezeigte Bildinstallation "a capella", in der sich die Künstlerin mit klerikalen Themen auseinandersetzt. Eine heruntergekommene Wand irgendwo, daran hängt die statisch bleibende Fotografie eines Papstes, darunter Stühle und eine junge Frau, die mal sitzt, mal gefallen ist oder die Wand wütend mit den Fäusten behämmert. Der Kirchenfürst aber schweigt. Es ist ein Symbol für den fehlenden Dialog. Der Mensch kämpft um Antworten, die ausbleiben. Filmisch, atemlos kommt die 2010/11 entstandene Bilderreihe daher.

Es sind farbige, sehr lebendige, zuweilen sinnliche Bilder, die in der Ende 2009 eröffneten Galerie gezeigt werden. Sie passen gut in das Ambiente der historisch nicht unbelasteten Gebäude. Saß im Vorderhaus doch einst die Reichsgeschäftsstelle der Nazi-Partei und hatte Hitlers Leibfotograf Hoffmann sein Atelier in den hinteren Gebäuden. Die Bilder überwinden auch dies.

Panta Rhei - alles fließt, bleibt im Fluß.

Die Ausstellung "PANTA RHEI - gemalte Fotografie" ist noch bis zum 5. Juni 2011 in der Galerie Eva Tömmel in München, Schellingstraße 50 , Di - Fr 14-18 Uhr, Sa 11-16 Uhr oder nach Vereinbarung zu sehen. Der Eintritt ist frei.

Veröffentlicht am: 05.05.2011

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