"Blek le Rat – The man who walks through the walls" in der Galerie Kronsbein

Im Zeichen der Freundschaft

von Olga Levina

"The Last Tango in Paris", eine Mixed-Media-Arbeit aus dem Jahr 2016. Foto: Galerie Kronsbein

Der unter dem Pseudonym Blek le Rat bekannte französische Künstler Xavier Prou zählt zu den Vorreitern der Schablonenkunst im öffentlichen Raum. Seine Signatur, die kleine schwarze Ratte aus dem italienischen Comic Blek le Roc, ist seit 1981 zu seinem Markenzeichen geworden. Genau wie die Ratten, denen man oft in Banksys Werken begegnet. Banksy selbst gebe zu, dass Blek le Rat alles genauso mache wie er – nur 20 Jahre früher, so Galerist Kronsbein. Wie Banksy wirkt Blek le Rat weltweit, so nun auch in München.

"The Man Who Walks Through The Walls" (2016) mit einer deutschen Flagge. Foto: Galerie Kronsbein

Die gegenüberliegende Hausfront der Galerie Kronsbein ziert seit Kurzem Prous "The Man Who Walks Through The Walls". Das Stencil zeigt den Künstler als Weltreisenden, der sich mit seiner Zeichenmappe von Wand zu Wand bewegt. In jedem Land, das Blek bereist, hinterlässt er dieses Motiv mit der entsprechenden Landesflagge. Das Münchner Stencil steht im Zeichen der Freundschaft und zeigt deswegen eine französische Flagge. Anlässlich Prous erster Einzelausstellung in Deutschland produzierte er aber auch eine Edition mit der deutschen Fahne, die in der Galerie zu sehen ist.

"Blooming Tenderloin"aus dem Jahr 2011 ist ebenfalls eine Mixed-Media-Arbeit von Blek le Rat. Foto: Galerie Kronsbein

So wie einige von Prous Werken, hat die Mixed-Media-Arbeit "Blooming Tenderloin" ihren Ursprung in einer wahren Geschichte. Blek traf den taubstummen Jungen auf dem Bild im Stadtteil Tenderloin in San Fransico. Dieser begleitete ihn daraufhin bei seinen Sprühaktionen. Das dabei entstandene Stencil ist ein Zeugnis ihrer Freundschaft. In Werken wie diesem verarbeitet Prou seine Eindrücke von den Menschen und deren Leben in der Großstadt.

Das Stencil "The Beggar" ist 2016 entstanden. Foto: Galerie Kronsbein

Das Stadtleben ist ein wiederkehrendes Motiv in Bleks Oeuvre, so auch in "The Beggar". Ausschlaggebend für diese Schablone war ein Kind, das mitten in Paris die Passanten um ein paar Centimes anbettelte. Schockierend fand Prou, dass "die meisten Leute unberührt vorbeigingen, als existierte das Problem gar nicht". Blek hinterließ daraufhin eine Vielzahl dieser Stencils in jeder Stadt, die er besuchte. "Manchmal sind Bilder stärker als die Wirklichkeit", so Prou.

"Blek's Last Supper" aus dem Jahr 2016. Foto: Galerie Kronsbein

Anspielungen auf die Alten Meister ziehen sich wie ein roter Faden durch Bleks Werk. Prou behauptet selbst, dass er "die Figuren aus den Museen heraus marschieren lässt, um sie den Menschen und der Stadt zurückzugeben". Ein Beispiel hierfür ist die "Madonna" nach Caravaggios Vorbild, ebenso wie "Last Supper". Dieses Werk, eine Mischtechnik auf Putz, ist eine technische Anspielung auf Leonardo da Vincis Fresko in Mailand. Zu sehen ist "Das Abendmahl", bei dem sich Blek an die Stelle Jesus setzt.

"Madonna" (2016) nach Caravaggios "Madonna der Pilger" (1605). Foto: Galerie Kronsbein

Die ausgestellten Werke zeigen einen guten und aussagekräftigen Querschnitt seines künstlerischen Schaffens. Zu sehen sind Prous klassische Schwarz-Weiß- und aufwendige Mixed-Media-Arbeiten noch bis zum 12. November 2016. Eine Verlängerung bis zum Jahresende ist geplant.

 

 

"Blek le Rat – The man who walks through the walls" in der Galerie Kronsbein, Wurzerstrasse 12. Weitere Erläuterungen zu Blek le Rat und Banksy finden Sie in dem Artikel "Mythos eines Machers und Moneymakers".

Veröffentlicht am: 27.10.2016

Über den Autor

Olga Levina

Redakteurin

Olga Levina ist seit 2012 beim Kulturvollzug.

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