"Debutanten" in der Galerie der Künstler

Katastrophen überall

von Roberta De Righi

Inszenierung von Ben Goossens. Foto: BBK

Kein Ausweg, nirgends. Ben Goossens' hermetische Innenwelten sind nichts für Klaustrophobiker. Seine Foto-Leuchtkästen zeigen oft vielfach verschachtelte Räume; menschenleere Szenarien, die aussehen wie das Innere von Bunkern nach der Apokalypse. Von der unsichtbaren Außenwelt dringt gleißendes Licht durch alle Ritzen. Denn statt Fenstern gibt es nur schmale Gitteröffnungen, und hinter jedem Durchgang tut sich eine weitere Kammer auf. Diese Alptraum-Architektur sieht zudem arg mitgenommen aus: Schrundig, staubig, geschwärzt – wie nach einem Brand.

Derzeit sind die Bild-Inszenierungen von Goossens (*1982)  gemeinsam mit Werken von Sarah Lehnerer (*1987) und Markus Lutter (*1985) in der aktuellen Debütanten-Schau in der Galerie der Künstler zu sehen. Alle drei haben an der Münchner Akademie studiert.

Goossens' Foto-und Film-Installationen geht ein aufwändiger Prozess voraus. Was im Bild monumental wirkt, wurde gefilmt in Miniatur-Kulissen, die der Künstler zuvor präparierte. Nur eine seiner Arbeiten tritt aus der Reihe: Die Fotografie „Schöner Stillstand“ zeigt ein Bauwerk von außen. Dafür ließ er, schwer symbolisch, ein Modell des Siegestores verschimmeln. Ganz so schlecht steht es um den Kunst-Standort München dann doch nicht.

Sarah Lehnerer arbeitet in verschiedenen Medien: Ausgestellt sind filigrane Plastiken aus Bambus, Gips und Chromlack sowie einige motivisch eher karge Frottagen. Darüber hinaus präsentiert sie den eindringlichen Film „How many suns do you see?“ Begleitet vom Sirenengesang Juno Meineckes (Tochter von Thomas Meinecke und Michaela Meliàn), schwebt die Kamera über den Dächern und zwischen den Fassaden der Hochhaussiedlung Neuperlach. In dem Video wirkt die am Horizont auftauchende Silhouette Münchens wie eine Fata Morgana. Anfang der 1970er Jahre war die Satellitenstadt für 55.000 Bewohner der Versuch einer gebauten Utopie. Sarah Lehnerers Film macht die Gleichförmigkeit der Architektur deutlich, zeigt aber auch die große Vielfalt, die dahinter steckt – ein becircender Perspektivenwechsel.

 

Markus Lutter: "Große Gedanken auf kleinem Papier"

Bei Markus Lutter ist die Gleichförmigkeit akustischer Natur: Seine Installation „Der Versuch, sich selbst zu übertreffen“ ahmt die Ausstellungsräume en miniature nach, in die von ganz weit oben Wasser tropft. Was wiederum durch einen Lautsprecher derart verstärkt wird, dass man glaubt, der Wasserrohrbruch sei nah. Das erzeugt eine latente Beunruhigung: Denn anders als bei Ben Goossens vermutet man hier, dass die Katastrophe unmittelbar bevorsteht.

 

Galerie der Künstler (Maximilianstraße 42) , bis 2. Oktober 2016 , Mi/Fr/Sa/So 11 bis 18, Do 11 bis 20 Uhr.

Veröffentlicht am: 30.09.2016

Über den Autor

Roberta De Righi

Roberta De Righi ist seit 2010 Mitarbeiterin des Kulturvollzug.

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