„Banksy – King of Urban Art” in der Galerie Kronsbein

Mythos eines Machers und Moneymakers

von Olga Levina

„Toxic Mary" (2003). Foto: Galerie Kronsbein

Vielen ist Banksy mittlerweile ein Begriff. Man kennt seine schlichten und aussagestarken Werke, doch wer sich tatsächlich hinter diesem Pseudonym verbirgt, weiß kaum jemand. Ist es ein Mann, eine Frau oder doch eine Crew? Die aktuelle Ausstellung des Kunstsammlers Dirk Kronsbein zeigt 45 Arbeiten des sozialkritischen und durchaus provokanten Straßenkünstlers aus Bristol in Großbritannien. Wir fragten den Kunstmäzen, was ihn an Banksy fasziniert, wie er dessen Ablehnung einer Galerievertretung bewertet und ob es schon Hinweise auf kommende Projekte gibt.

Banksys Logo „Heavy Weaponry“ (2004) steht für seine Kritik an Gewalt und Waffenindustrie. Foto: Galerie Kronsbein

In der von Alt-OB Christian Ude eröffneten Ausstellung sind einige zertifizierte Siebdrucke der berühmten Stencils, ein Straßenschild und das Banksy-Logo auf Leinwand zu sehen. Es sind Originale und verschiedene Editionen dabei. Voller Begeisterung spricht der Galerist über die Herkunft des Künstlers, seine Vorbilder und berühmte Aktionen.

Zu Banksys wichtigsten Vorbildern zählt Galerist Kronsbein Xavier Prou, eher bekannt als Blek le Rat. Er gilt als Urvater der Stencil-Kunst im öffentlichen Raum. Bereits 1983 sprühte er großformatige Schablonen von Joseph Beuys, Andy Warhol, Jesus Christus sowie einige Madonnen nach Michelangelos oder Caravaggios Vorbild. Blek le Rat wirkt weltweit, wie Banksy nun auch. Ein Beispiel hierfür ist die seiner Frau gewidmete „Madonna mit Kind“ aus dem Jahr 1991 in Leipzig. Das 2012 wiederentdeckte und von Prou eigenhändig restaurierte Graffito steht mittlerweile unter Denkmalschutz. Laut Kronsbein sagt Banksy selbst, dass Blek le Rat alles genauso macht wie er – nur 20 Jahre früher.

„Trolleys“ (2007). Foto: Galerie Kronsbein

Im Zusammenhang mit der Vermarktung der Schablonenbilder sowie anderer Werke nennt Kronsbein die Galerien Lazarides, TomTom und Andipa. Er berichtet zugleich von den aktuellen Ausstellungen des Streetart-Künstlers in Rom und Amsterdam. So zeigt das Museum Fondazione Roma gerade etwa 150 Exponate aus dem Privatbesitz verschiedener Sammler. In Amsterdam hat sogar ein neues Museum geöffnet: Das Moco, was soviel bedeutet, wie „Modern Contemporary“ oder zeitgenössische Kunst. Zu sehen sind 50 Arbeiten von Banksy zusammen mit 40 Bildern des Pop-Art-Künstlers Andy Warhol. Doch nicht nur in Amsterdam betrachtet man diese beiden Künstler als zusammengehörig. Auch Kronsbein bezeichnet Banksy als „Warhol der Gegenwart“. Das Besondere an der Münchner Ausstellung ist, dass diese – im Gegensatz zu Rom und Amsterdam – eine Privatsammlung aus einer Hand darstellt.

„Queen Victoria“ (2003). Foto: Galerie Kronsbein

Auf die Frage nach der Vereinbarkeit von Straßenkunst mit einer Galerievertretung reagiert Kronsbein überrascht. Für ihn ist Banksy nämlich niemand, der allgemein gegen die Kommerzialisierung der Streetart ist. „Der Punkt ist viel mehr, dass er sich selbst vertreten will“, so der Galerist. Er nimmt außerdem an, dass Banksy von seiner Ehefrau vertreten wird, die er, was die Vermarktung angeht, für sehr geschickt hält. „Denn seit 2010 gab es keine neuen Arbeiten. Warum? Ganz klar, um die Preise in die Höhe zu treiben“, so Kronsbein. Im gleichen Atemzug kommt er auf „Dismaland“ zu sprechen. Dieses Kunstprojekt, das Banksy selbst als „Familien-Freizeitpark, der für Kinder ungeeignet ist“, beschreibt, ist zugleich eine seiner bekanntesten Charityaktionen. Im Hinblick darauf spendete auch Kronsbein die Einnahmen aus der Vernissage für einen guten Zweck. Er bewundert somit nicht nur sein künstlerisches Schaffen, sondern sieht in Banksy einen modernen Robin Hood, der das Geld von den Reichen nimmt, um es den Armen zu geben.

Kinder, die im Rahmen der Ausstellung an einem Malkurs teilnehmen. Hier können sie „eigene Banksys“ erschaffen. Foto: Galerie Kronsbein

Was dem Kunstsammler am meisten an Banksy gefällt, ist „die für ihn typische politische und soziale Ironie“, die er bereits während seines Studiums in Großbritannien zu schätzen und lieben gelernt hat. Die „spezifischen, britischen Ansätze“ sind es, die Kronsbein nach eigener Aussage faszinieren. Und natürlich die gesellschaftliche Relevanz der Projekte. Man denke nur an das Steve-Jobs-Graffito als Kommentar zur Flüchtlingskrise, an „Napalm“ in dem Ronald McDonald und Mickey Mouse die USA repräsentieren oder die Darstellung einer lesbischen Queen Victoria in eindeutiger Pose als Zeichen der Ablehnung ihrer homophoben Haltung.

Besonders interessant sind außerdem Arbeiten wie „Laugh Now“, die Hommage an Keith Haring mit dem Titel „Choose Your Weapon“ und „Nola“, von deren Schirm bunter Regen fällt, ebenso „Toxic Mary“, die das Jesuskind mit einem Giftfläschchen füttert. Sehenswert sind unter anderem auch die in Anlehnung an Warhol entstandene Arbeit „Kate“, die das Model Kate Moss darstellt, Kronsbeins Lieblingsbild „Girl with Balloon“ sowie „I Fought The Law“.

Abschließend äußert sich Kronsbein zu der immer wieder aufkommenden Vermutung, dass es sich bei Banksy nicht um einen einzelnen Akteur, sondern um ein Künstlerkollektiv handelt. Das würde seiner Meinung nach zumindest die inzwischen weltweiten Einsätze erklären, ebenso groß angelegte Projekte wie „Dismaland“. Er verrät uns außerdem, dass demnächst wieder eine Aktion dieser Größenordnung kommen soll. Nun bleibt noch abzuwarten, wen einer der größten Kritiker unserer Zeit als nächstes zum Gegenstand seiner Kunst macht.

„Banksy – King of Urban Art” in der Galerie Kronsbein, Wurzerstrasse 12, letzter Ausstellungstag: 10. September 2016. Wer an einer Führung interessiert ist, kann sich zu einer der Abendveranstaltungen anmelden.

Veröffentlicht am: 03.06.2016

Über den Autor

Olga Levina

Redakteurin

Olga Levina ist seit 2012 beim Kulturvollzug.

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