Nichts ist, wie es scheint

von Achim Manthey

Sarah Dechristoforo, Conflict Simulation 2011 (Foto: Achim Manthey)

Die WhiteBox zeigt im Rahmen eines kulturellen Austausches in der Ausstellung "all about ...linz/die dritte dimension" skulpturale Interventionen von 13 jungen Künstlern aus Oberösterreich.

Mitten im Raum ein Flokati-Teppich in gelb, grün und blau auf dem kalten grauen Betonboden. Wärme, man mag sich drauflegen. Doch der genaue Blick zeigt, dass alles anders ist. 3000 Plastiksoldaten führen in dem Werk Conflict Simulation von Sarah Dechristoforo einen erbitterten, tödlichen Kampf. Das, was auf dem vermeindlichen Teppich niedergetreten scheint, sind die Toten und Verletzten. Die Wärme weicht der Kälte, der Unerbittlichkeit. Das Werk verstört.

Daneben ein Schaufenster, fotografiert von Rainer Nöbauer in Greifhandschuhe von 2007. Die Grenze von innen und außen wird aufgehoben. Mittels der Greifhandschuhe scheint der Passant unmittelbar eingreifen zu können in die Auslage. Illusion.

Kontrast dazu die Zwergenküche von Georg Schobert in dem Werk Minimize Me von 2011, eine Wirtshausküche im Kleinformat mit geschnittenen Tomaten, Gurken, aufzunehmen mit einer Pinzette - Publikumsrenner bei der Eröffnung der Ausstellung.

Die Ausstellung versteht sich als Teil eines Projekts zwischen Bayern und Oberösterreich, ein kultureller Austasch, in dessen Rahmen im Dezember 2010 und Januar 2011 junge Münchner Künstler im Linzer Atelierhaus Salzamt ihre Werke ausgestellt haben. Das Salzamt in Linz, auch als Salzstadl bekannt, steht nach der Restaurierung seit 2009 jungen Künstlern befristet als Wohn- und Arbeitsstätte zur Verfügung.

Sarah Dechristofori/Georg Schobert, Kit toy 2009 (Foto: Achim Manthey)

Gleich am Eingang zur Ausstellung ist ein Waffenschrank zu sehen, darin Plastikwaffen, Maschinengewehre nebst Zubehör, Kit toy von Sarah Deschristofori und Georg Schobert. Dazu fünf Fotografien, die Assoziationen erwecken an Lisbeth Salander, die weibliche Hauptfigur aus den Romanen von Stieg Larsson. Illusion auch dies.

Sehr witzig auch die Video-Installation Nur für Euch von Siegried Kramer, die sie nur beim Verzehr von aus der Schokolade gelösten Mandeln zeigt.

Die Ausstellung ist spannend, interessant anzuschauen. Interventionen allerdings sind Einmischungen, Gegenreden. Dies vermitteln die gezeigten Werke nicht. Auch das Thema der Ausstellung "all about ... Linz" erschließt sich nicht.  Die europäische Kulturhauptstadt 2009 hatte mehr zu  bieten, als dieses "all about".

Die Ausstellung ist bis zum 13. März in der WhiteBox, Kulturfabrik, Grafinger Str. 6 in München, Do und Fr 17 bis 21 Uhr, Sa und So vo 15 bis 20 Uhr zu sehen, Eintritt 3 Euro/erm. 2 Euro.

Über die Kunst, Mandeln zu verzehren. Video von Sigrid Krenner, Nur für euch, 2010 (Foto: Achim Manthey)

Achternbusch hätte seine Freude: Christian Öhlinger, DISPLACEMENT, 2011 (Foto: Achim Manthey)

Veröffentlicht am: 21.02.2011

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