Mae West - die neue Erotik am Effnerplatz

von Achim Manthey

Mae West am Effnerplatz (Foto: Achim Manthey)

52 Meter hoch, 72 Tonnen schwer, Wespentaille. Kunst im öffentlichen Raum für gute 1,5 Mio. Euro. Braucht München das?

Seit dem 31. Januar erhebt sich die Großinstallation mit dem Titel Mae West über dem Effnerplatz in München-Bogenhausen, geschaffen von der US-amerikanischen Künstlerin Rita McBride. Die Skulptur besteht aus 32 Stäben aus carbonfaserverstärktem Kunststoff, gehalten von einem Unterbau aus carbonummantelten Stahlrohren.

Eine stolze Schönheit ist sie geworden, benannt nach der amerikanischen Filmschauspielerin und Drehbuchautorin Mary Jane West, genannt Mae West (1893 bis 1980), die vor allem in der 30er Jahren zu den bestbezahltesten Filmschauspielerinnen Hollywoods zählte und als eines der ersten Sex-Symbole der Filmgeschichte gilt.

Sexy war er bislang nicht, der Effnerplatz. Ein Verkehrsknotenpunkt, Wendeplatz für Trambahnen, eine städtebauliche Brache. Das ändert sich. Das Kunstwerk mitten auf dem Platz nimmt das Rund des Kreisverkehrs auf. Die zur Wespentaille verdrehten Träger bringen eine Drehbewegung, die Dynamik einer Tänzerin, zum Ausdruck. Trotz der Höhe, die mit den benachbarten Großbauten von Hypo und Arabella korrespondiert, trotz des beträchtlichen Gewichts wirkt die Installation filigran, leicht, beschwingt.

Die Bildhauerin und Installationskünstlerin Rita McBride, geboren 1960, ist in München nicht unbekannt. Sie war von 1999 bis 2000 Gastprofessorin an der Akademie der Bildenden Künste in München. Seit 2003 lehrt sie Bildhauerei an der Kunstakademie in Düsseldorf. In ihrem Werk setzt sie sich mit Architektur, Funktion und Kommunikation auseinander.

Detail aus Carbon (Foto: Achim Manthey)

Mit der Installation in München ist der Künstlerin ein großer Wurf gelungen. Nach ihrer Intention soll das Werk im Lauf der Zeit  durch die Anwohner und den Diskussionsprozess an Bedeutung gewinnen. Das wird gar nicht lange dauern, denn bereits heute kommt die Skulptur bei den Leuten an. Das ergab schon eine spontane, nicht repräsentative Umfrage unter den interessierten Betrachtern, die sich am Sonntagnachmittag dort eingefunden hatten. Weitaus überwiegende Zustimmung, ja Begeisterung auch beim älteren Publikum. Eierbecher, Strickliesl - der Spott, der nach den ersten veröffentlichten Entwürfen in der Bevölkerung aufkam und auch den ach so kunstsinnigen Oberbürgermeister Ude ergriffen hatte, wird schnell verfliegen angesichts dessen, was zu nun zu sehen ist.

 

München hat eine Bereicherung des Stadtbildes erhalten, ein Objekt, das das Zeug zu einem neuen Wahrzeichen der Stadt hat. Wenn die Bauarbeiten dort einmal abgeschlossen sind, wird es ein echter Blickfang werden, der Münchner und Besucher der Stadt anziehen wird.

Sicher, die gut 1,5 Mio. Euro, die das Werk gekostet hat, sind kein Pappenstiel. Gemessen an dem Resultat ist es aber das wert.

Kunst im öffentlichen Raum bleibt auch der öffentlichen Planung unterworfen. Das ist in diesem Fall bedauerlich. Dass nach Verlängerung der Linie 17 nach St. Emmeram  die Tram durch den Unterlaib der Dame gleiten soll, nun ja, da hätten sich bessere Lösungen denken lassen. Die Chance, den Platz unterhalb der Skulptur zu einem Treffpunkt der Anwohner zu machen, ist nach der derzeitigen Planung vertan.

Sehenswert ist es und wird es bleiben, was auch die Frage beantwortet, ob München das braucht. Ja, unbedingt!

Veröffentlicht am: 08.02.2011

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