Das Bayerische Nationalmuseum und sein Angebot für junge Besucher

Bis kleine Museumsmuffel in die Wunderkammer wollen

von Roberta De Righi

Objekt der Begierde: Ein Tafelaufsatz aus dem frühen 17. Jahrhundert. Foto: Bayerische Nationalgalerie

Kinder sind große Sammler und Sachensucher: Muscheln, Schneckenhäuser, Schlangenhäute, Stöcke und Steine. Der kindliche Sammel-Instinkt ist so ausgeprägt wie er es einst bei den Königen und Kurfürsten war: In den Kunst- und Wunderkammern trugen sie seit dem ausgehenden Mittelalter zusammen, was Natur und Kunsthandwerk an Kostbarem und Besonderem hergaben.

Darum warten im Bayerische Nationalmuseum (BNM), dessen unermessliche Sammlungen unter anderem auf die Kunst- und Wunderkammer der Wittelsbacher zurückgehen, aufregende Schätze auf Entdeckung: Da ist etwa der goldene Elefant, der eine Uhr trägt und mit den Augen rollen kann. Man findet Trinkgefäße in Form von Bären, Hirschen und Reitern; daneben lockte Eva Adam auf eine Insel aus Korallen, Muscheln und allerlei anderem Meeres-Getier. Es gibt jede Menge Ritterrüstungen und Prinzessinnenkleider, detailreiche Modellstädtchen, zarte Porzellanfigürchen und eine riesige gedeckte Tafel mit Silbergeschirr. Zu Unrecht steht das BNM noch immer im Schatten der öffentlichen Wahrnehmung, dabei haben seine fantastischen Bestände Weltklasse.

Ob spätantike Elfenbeintafeln oder Meisterwerke mittelalterlicher Bildschnitz-Kunst, die Münchner Stadtmodelle im Albrecht-V.-Saal, Möbel, historische Spiele, Musikinstrumente und Jugendstil-Schmuck – und nicht zuletzt die Krippen. Diese Fülle ist fast eine Überforderung, und es ist ohne Führung schwer, sie sinnvoll zu bewältigen. Der Vielfalt der Sammlungen angemessen ist das Kinder- und Jugendprogramm, das laut Dagmar Bosch und Annette Schommers vom BNM auch sehr gut angenommen wird. So kennt inzwischen der Nachwuchs den von eindrucksvollen, von Gabriel von Seidl bis 1900 erbauten Museumskomplex an der Prinzregentenstraße besser als manche Eltern.

Elefantastisch: Eine Figurenuhr aus dem späten 16. Jahrhundert. Foto: Bayerische Nationalgalerie

 

Ein Grund dafür dürfte die „Museumsmuffel-Bande“ sein, erfunden von Katharina Ritter (nächste Termine: So. 10.11.13 und 22.12.13, jeweils 15 Uhr). Die Geschichtenerzählerin lässt sich von den Objekten zu Abenteuerreisen durchs Haus inspirieren, im Rahmen derer die Kinder nicht nur Rätsel lösen und Geheimnisse lüften, sondern auch an Orte des Museums gelangen können, die für das Publikum eigentlich geschlossen sind, wie Bibliothek oder Depot.

Grundsätzlich immer zur Verfügung steht darüber hinaus der „Drachenpfad“, ein Audioguide, der zu elf Stationen im Museum führt, an denen man Fragen wie „Dauerte die Herstellung eines Kettenhemds fast ein Jahr?“ beantworten muss – und am Ende den weltweit einzigartigen „Drachenorden“ bekommt. Und auch wenn es im Museum in erster Linie um das Bewahren des Althergebrachten geht, findet auch die neueste Technologie Einzug in die Museumspädagogik: Aus Soundmodulen, leitendem Garn, LEDs und Stoff können Kinder und Jugendliche ab zehn Jahren mit der Medienkünstlerin Anna Blumenkranz im Rahmen der Taschen-Ausstellung „sprechende Taschen“ nähen (So. 29.9.13, 10 bis 13 Uhr).

Für Familienführungen und „Museumsmuffelbande“ ist keine Anmeldung erforderlich, für den Taschen-Workshop Anmeldung unter bay.nationalmuseum@bnm.mwn.de.

Veröffentlicht am: 12.09.2013

Über den Autor

Roberta De Righi

Roberta De Righi ist seit 2010 Mitarbeiterin des Kulturvollzug.

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