Fotografin Anne Schwalbe neu bei f5,6

Unspektakulär im Großformat

von Achim Manthey

Steckdose, 2006 (c) Anne Schwalbe, courtesy Galerie f5,6

Die Münchner Galerie f5,6 zeigt die erste Einzelausstellung der Berliner Fotografin Anne Schwalbe  in Deutschland. Die Bilder überdeuten das Einfache.

Mist. Die Fotografie von 2009 mit diesem Titel ist so real, dass man ihn zu riechen meint. Anne Schwalbe hat voll draufgehalten und aus einem kleinen Motiv ein raumbeherrschendes Großformat in Brauntönen geschaffen. Eine Blindschleiche schlängelt sich glänzend über einen kargen Boden. Fligran aber einsam ist die "Steckdose" auf dem Bild von 2006, auf dem Farbtöne von Rotbraun bis hin zu Rosapastellen ineinanderfließen.

Es ist die erste Einzelausstellung der Berliner Fotografin, die unter anderem bei Ute und Werner Mahler an der Ostkreuz-Schule studiert hat. Sie zeigt Arbeiten aus den Serien "Blindschleiche und Riesenblatt", "Wiese" und "Vulkan oder Stein", die in Berlin, Brandenburg sowie an Elbe und Ostsee entstanden sind. Die Motive sind unspektakulär bis hin zum Belanglosen. Ein rosa Himmel bleibt diffus, als habe ein Wüstensturm die nicht gezeigte Landschaft vernebelt. Hängende Buschrosen in prallem Rot mit Regentropfen auf den Blättern erscheinen traurig, sentimental, hoffnungslos. Klassisch, geradezu lehrbuchhaft ist der "See" von 2008 aufgebaut: Linkerhand ein bewaldetes Uferstück, das Blau der Baumwipfel löst sich seewärts im Weiß des Nebels auf. Ein ruhiges Motiv - aber eben auch ein wenig fad.

See, 2008 (c) Anne Schwalbe, courtesy Galerie f5,6

Einen eigenen Reiz erfahren die Fotografien allerdings durch zuweilen außergewöhnliche, überraschende Fokussierungen. Da gerät ein an sich unscheinbares Detail, eine kleine weißen Wiesenblume beispielsweise, unvermittelt zum Blickfang und degradiert das übrige Geschehen zu unscharfem Beiwerk.

Gleichwohl wirkt das alles seltsam konzeptlos. Möglicherweise beabsichtigt Anne Schwalbe gerade diese keine nähere Interpretation zulassende Einfachheit der Motive, die auf hochwertigen Handabzügen zu sehen sind. Der kurze, insoweit interpretatorisch etwas überfrachtete Begleittext zur Ausstellung lässt darauf schließen. Was überzeugt am meisten? Mist.

Bis zum 27. Juli 2013 in der Galerie f5,6, Ludwigstraße 7 in München, Mi-Fr 12-18 Uhr, Sa 11-15 Uhr, Eintritt frei.

Veröffentlicht am: 28.06.2013

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