Das Meer in der Galerie der Moderne

Mehr als Horizonte

von Achim Manthey

Aus der Serie "Kawa" (c) Yamamoto Masao

In der Gruppenausstellung "Seven Seas. Das Meer in der Fotografie" zeigen sieben Fotografen aus verschiedenen Ländern ihre Sicht auf dieses unausrottbar beliebte Motiv. Geboten wird ein Wellenritt mit den Augen.

Die Schau startet mit einer Enttäuschung: Im Entreé sind vier Arbeiten des Münchner Fotografen Klaus Kinold gehängt, mit denen er sich erkennbar selbst überfordert hat. Kinold (74), ausgebildeter Architekt, zählt ohne jeden Zweifel zu den bedeutendsten Architektur-Fotografen der Gegenwart. Was aber, so ist zu fragen, will er wem mit diesen Seestücken beweisen, die zwar dem streng formalen, geometrischen Aufbau seiner sonstigen Arbeiten folgen, motivisch und in den teils übertrieben grellen, unnatürlichen Farbgebungen allenfalls "Posterniveau" erreichen, saft- und kraftlos, bar jeder Dynamik bleiben.

The Atlantic, Portugal 2010 (c) Pentti Sammallathi

Das Meer: Seit jeher hat es Maler, Zeichner und schließlich die Fotografie fasziniert. Das stets sich verändernde, nie stillstehende Grundelement Wasser in der geballten Wucht der See bietet einen unerschöpflichen Motivreichtum durch die unendlichen und für den Betrachter jedoch endlich bleibenden Weiten, von der Natur geschaffenen Lichtkompositionen, von Leben und Tod.

Die in der Ausstellung gezeigten Arbeiten nähern sich dem Sujet mit ganz unterschiedlichen Ansätzen. Der Japaner Masao Yamamoto geht das Thema konzeptionell an. Kleinformatige Bilder in monochromen, reduzierten Farben loten die Grenzen des Darstellbaren und der Wahrnehmung von Bewegung aus, führen in nachgerade philosophische Fragestellungen nach Gegenwart und Zukunft. Rätselhaft bleibende Lichtpunkte und -linien berühren die Grenze zwischen Wahn und Wirklichkeit - und nähern sich den Werken von Hiroshi Sugimoto an bis hin zu der glücklicherweise einzig bleibenden Senkrechtstellung des Motivs bei Kawa=Flow #1520, 2007.

The Atlantic Ocean, 1990 (c) Kristoffer Albrecht

Interessant ist die Begegnung mit den Arbeiten von drei finnischen Fotografen der Gegenwart. Wirkt Tiina Itkonen mit ihrer zwischen 2006 und 2012 auf Grönland entstandenen "Iceberg Gallery" und dem Großformat " Quaanaaq II" (2005) noch eher profan, zeigen die Arbeiten von Pentti Sammallahti und Kristoffer Albrecht verblüffende Bildkompositionen mit einer Mischung aus dem Spiel mit den Lichtverhältnissen und Naturstimmungen, die zu poetischen, ja meditativen Ansichten führen. Berührend ist die aktuelle Reihe "Terra aeterna" von Peter Weber, die blautonig an der Grenze zu schwarz-weiß mit dem Spiel von Gischt und Steinen am Strand jongliert. Klassisch mediterran sind die um 1990 entstandenen analogen Aufnahmen der Serie "Islands" von Zlata Vucelic angelegt. Da stehen die Oliven im großen Korb ruhig neben den durch eine Fensterscheibe aufgenommenen, zerzausten Möwen im Sturm.

Am Meer. Die Ausstellung ist ein wenig wie das wirkliche Leben: Der eine empfindet Ruhe, ein anderer wiederum wird aufgewühlt, der Nächste inspiriert. Nur langweilig wird es nie.

Bis zum 30. Juni 2013 bei Stefan Vogdt, Galerie der Moderne, Kurfürstenstraße 5 in München, Mo-Fr 10.30-18.30 Uhr, Sa 10.30-15 Uhr, Eintritt frei.

 

 

 

 

Veröffentlicht am: 27.05.2013

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