Akiko Kurihara und Go Segawa im Doppelpack

Japanische Fantasien für Körper und Tasche

von Achim Manthey

Der Titel der Arbeit lautet "The Slaves of Jewelry", könnte aber auch für so manches Ehejoch stehen (c) Akiko Kurihara, courtesy Micheko Galerie

Die Ausstellung "Was It A Cat I Saw" zeigt Autorenschmuck von Akiko Kurihara und Skulpturen von Go Segawa. Zu sehen ist tragbare und haltbare Kunst, die die Sinne täuschen kann.

Die Männer sieht man nur von hinten, nachdem sie eingeloggt wurden. Denn von der Vorderfront ragt etwas deutlich, gerade und in eindeutiger Ausarbeitung ab, das durch den gestochenen  Ohrlappen gestossen wird und in einem Stöpsel aus Silikon in der Form eines Kondoms landet. Wer nun an den Besuch in einem der einschlägigen Läden in Münchens Goethestraße oder anderswo denkt, irrt. Mit ihren Ohrsteckern "Men" nimmt die Schmuckkünstlerin Akiko Kurihara frech, ironisch und eindeutig zweideutig die Beziehungskisten aufs Korn, die sich im menschlichen Leben ergeben können. Auch die Halskette "Human chain", die aus einer Vielzahl kleiner Menschenfigürlein nach Art der Strichmännchen zusammengesetzt ist und nur auf den ersten Blick aus Stacheldraht geformt scheint, untersucht die zwischenmenschlichen Relationen: Etwas Abstand schadet nicht, sonst könnte es schmerzhaft werden.

Kommt auch im wahren Leben vor. "Men" (c) Akiko Kurihara, courtesy Micheko Galerie

Autorenschmuck: Die Darstellungsform bewegt sich auf dem schmalen Grat zwischen Design und Kunst. Wissen um das Wesen der Materialien, hohes handwerkliches Können und individueller Ideenreichtum sind Grundlagen für ein Schaffen, das die Bearbeitung oder Umwandlung von Alltagsgegenständen wie Badenwannenstöpseln  oder Glühbirnen thematisieren und bis hin zur Auseinandersetzung mit sozialen Missständen gehen kann.

Akiko Kurihara, 1975 im japanischen Sapporo - Partnerstadt Münchens - geboren, graduierte 2010 an der Akademie der Bildenden Künste in München bei Otto Künzli, einem der bedeutendsten Schmuckkünstler der Welt.  In ihren neuen Arbeiten nimmt sie sich mathematischer und physikalischer Phänomene an: Yotta, das größte aller Präfixe, eine Eins mit 24 Nullen, wird zu einer entsprechenden Halskette. Die Arbeit "Earth and Moon" setzt sowohl die Größen der Planeten wie ihre Entfernung zueinander mathematisch korrekt maßstabsgerecht ins Verhältnis. Entstanden ist eine Halskette, die, am Körper getragen, lediglich zwei Kugeln unterschiedlicher Größe in Gold und Silber, als Wandschmuck aber auch die hinter dem Schmuckstück stehende Idee zeigt.

Egg in Red (c) Go Segawa, courtesy Micheko Galerie

Den überzeugenden, weil sowohl humorvoll wie logisch gestalteten Schmuckarbeiten stellt die Schau Skulpturen des japanischen Bildhauers Go Segawa, 1970 im japanischen Sendai geboren,  gegenüber. Das mit den "Skulpturen" darf man allerdings nicht zu ernst nehmen, denn die Stücke sind faltbar. Kunststoff-Folien werden mit Farbschichten bemalt oder mit gezeichneten Linien versehen. Ineinander verschachtelt und verhakt entsteht der Eindruck einer - tatsächlich nicht bestehenden - Dreidimensionalität. Zusammengefaltet und verpackt in einem Umschlag können die Werke einfach transportiert und hier und dort vorgezeigt werden. Originell, mehr aber auch nicht.

"Was It A Cat I Saw". Der Titel der Ausstellung nimmt ein Palindrom aus der englischen Sprache auf. Es steht für Fantasien, Illusionen und Sinnestäuschungen, denen man zuweilen im täglichen Leben, in jeden Fall aber in dieser Schau erliegen kann.

Bis zum 18. Mai 2013 in der Micheko Galerie, Theresienstraße 18 in München, Di-Fr 15-20 Uhr, Sa 11-16 Uhr, Eintritt frei.

Veröffentlicht am: 03.05.2013

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