Malerei von Petra Beeking in der Orangerie

Jahrmarkt der Farbigkeiten

von Achim Manthey

Sitzender Clown, 2012 (c) Petra Beeking

Die Ausstellung in der Orangerie im Englischen Garten präsentiert neue Gemälde und Tuschezeichnungen der Malerin Petra Beeking, die mit originellen Ideen aufwartet.

Der Rappe ist bunt auf dem gleichnamigen Gemälde aus dem Jahr 2012. Die erkennbar kindliche Reiterin lässt unwillkürlich an Pippi Langstrumpf denken. Farbkräftig grell kommt das Karussell (2013) daher. Das ist dynamisch wie das wahre Leben auf einem Rummelplatz. Immer wieder nehmen die Arbeiten Motive aus der Welt der Jahrmärkte und Artisten auf mit ihrer lärmenden Buntheit, der Eleganz ihrer Körperbewegungen - und ihrem Schmerz. Bajazzo lässt grüßen auf dem Bild "Trauriger Clown" von 2013 oder der schluchzenden Artistin (Artisten I, 2013), der die fröhlich schaukelnde Kollegin gegenübersteht (Artisten II, 2013). Der kräftige, dynamische Strich erlaubt eine schnelle Produktion, wie es scheint. Dabei ist das bei aller Plakativität wohldurchdacht und mit Detailreichtum versehen, der sich häufig erst bei der Betrachtung der Gemälde aus einer gewissen Distanz erschließt.

Nr 117 (c) Petra Beeking

Petra Beeking, 1965 in Bad Saarow geboren, hat Kunsterziehung studiert und eine Ausbildung zur Mode- und Werbegrafikerin absolviert. Seit 2006 lebt und arbeitet sie als freischaffende Künstlerin in München und Berlin und ist seit 2010 Mitglied der Münchner Gruppe "Gedok". Es geht der Künstlerin nicht um das große Ganze, um das Erklären der Welt. Die kleinen Alltäglichkeiten, Erinnerungen, Beziehungen zwischen Menschen sind ihr Thema. Anrührend das gemeinsam alt gewordene Paar auf der Bank, komisch der "Ostersonntag" (2013) der Frau mit dem flachen Trachtenhut oder auch der "Festtag".

Sehr originell sind die gezeigten Tuschezeichnungen "auf antiquarischem Papier", 2011 und 2012 entstanden. Abstrakte Akte in Bewegung oder statisch entstanden auf Seiten eines alten Kassenbuchs einschließlich - das nennt man wohl Komplettverwertung - der Buchrücken, Zinstabelle und Paketkarte mussten ebenfalls herhalten. Die Bildtitel nehmen häufig lediglich die Seitenzahlen ("159") oder Rubriken ("Order") auf. Die dynamischen Zeichnungen heben die strenge Form der geraden Linien und Kästen der bürokratischen Tabellen auf, bringen den ursprünglich buchhalterischen Blick regelrecht ins Schleudern.

Und doch: Bei allem Positiven, ja Wertvollen kann den Betrachter das Gefühl beschleichen, dass hier etwas zu sehr auf den Publikumserfolg geschielt wird. Diese Einschätzung mag trügen. Wer sich davon befreien kann, wird etwas von der Schau haben.

Nur bis zum 14. April 2013 in der Orangerie im Englischen Garten, Do-So 12 bis 20 Uhr, Buslinien 54 und 154, Haltestelle Chinesischer Turm, Eintritt frei.

 

 

Veröffentlicht am: 13.04.2013

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