Passauer Positionen bei Truk Tschecktarow

Flotter Dreier in Schwabing

von Achim Manthey

Wegkreuz, Bischofsreuth 2005 (c) Rudolf Klaffenböck

In der Ausstellung "This is Passau! Kunst aus Fernost" gewähren Sandra Huber, Tim Nebel und Rudolf Klaffenböck Einblicke in Sichtweisen aus der Provinz. Sie bleiben damit in unserer Welt.

Punkt, Punkt, Komma, Strich... Manchmal reichen die einfachsten Zeichen für die Aussage. Eine Hasen-Backform hinter grünem Maschendraht, dynamisiert durch eine mit Wachsmalstift schwungvoll hingezogene grüne Linie. Fertig ist die "Hommage á Dürer (1502)" von 2013. Dem Kabarettisten, Grafiker, Filmemacher und Fotografen Rudolf Klaffenböck (61) genügen diese schlichten Mittel für seine Objektbilder. "Akt" (2012) ist eben nur ein Aktendeckel. Und Passauer Zustände werden durch einen alten, abgeschnurrten roten Luftballon, der mit drei Buchstaben aus grauem Filz beklebt ist, überdeutlich: CSU.

Nachbarschaft (c) Sandra Huber

Wer Passaus Altstadt kennt weiß, wie eng man dort aufeinanderhockt. Die Malerin Sandra Huber kann sich in ihren Bildern nicht davon lösen. Sieben großformatige, farbenkräftige Arbeiten aus der Reihe "Nachbarschaft" zeigen Wohnwaben in Hochhäusern oder dicht an dicht zugestellte Campingplätze. Städtische Enge und die damit verbundene Einengung des Individuums vermag auch Buntheit nicht aufzulösen. Noch dämonischer wirkt dies auf den kleinen Tuschezeichnungen in Schwarz-Weiß. Hier wird das Reißbrett zum Reizbrett.

Einen wesentlichen Teil der Ausstellung bestreitet Tim Nebel, 1971 in Hamburg geboren und 1978 nach Passau umgezogen. Seine Objekte und Schaukisten bewegen sich zwischen erhellender Komik und völliger Sinnleere. Die Reihe "101 bewegende Arrangements" beruht auf einem Schatz alter Zeitungsausschnitte, Werbeanzeigen und Fotos, die, auf kleine Pappen oder Holzplättchen geklebt, Lachen machen. Da stellt sich die Frage, woran der Backfisch starb, der gelackte Typ mit Sonnenbrille, der eher an der Promenade von Rimini oder Cannes zu verorten wäre, ist der "Schleuderboy 65", "Unser Schlager für die Küche" kann nichts anderes als ein Wischeimer sein und ein Fotograf namens Schmutz ist verantwortlich für die Aufnahme nackter Damenbrüste, "gereift an der leuchtenden Mittelmeersonne". Absurd und weitgehende sinnfrei sind die Schaukisten wie "Die Kurzgeschichte" von 2003, in dem ein Wasserkocher mit Rädern einen verkabelten König herumkutschiert.

Familie Schneider: Mann, Frau, Hund (c) Tim Nebel

Ach ja: Fotos von Rudolf Klaffenböck sind auch zu sehen. Benedikt XVI. in Altötting, Vorfreude auf den Besuch in Marktl oder Schnappschüsse wie das 2005 in Bischofsreuth aufgenommene Weg-Kreuz mit der Inschrift "Errichtet zum 1900-jährigen Jubiläum der Erlösung 1933". Aber derlei Motive hat man so oft gesehen, dass sie nur noch durch den bekannten Namen angeschoben werden.

Die Galerie hat sich der "heiteren Kunst" verschrieben und macht dem mit dieser Ausstellung alle Ehre. Zeigt sie doch ein Kuriositätenkabinett besonderer Prägung. Das passt und passt zusammen. Passau ist überall.

Bis zum 21. April 2013 in der Galerie Truk Tschechtarow, Haimhauserstraße 16 in München-Schwabing, Mi-Fr 17-22 Uhr, Sa/So 14-19 Uhr, Eintritt frei.

Veröffentlicht am: 15.04.2013

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